Body-Positivity-Bewegung zerbricht an Kommerz und radikalen Wurzeln
Body-Positivity-Bewegung zerbricht an Kommerz und radikalen Wurzeln
Die Body-Positivity-Bewegung steht vor wachsenden inneren Spannungen
Was einst als radikale Forderung nach systemischem Wandel gegen Fettfeindlichkeit begann, hat sich in den letzten Jahren unter kommerziellem Druck und unterschiedlichen Prioritäten verändert. Gabriella Lascano, einst eine lautstarke Aktivistin für die Bewegung, zog sich kürzlich zurück – ein Zeichen für die sich vertiefenden Konflikte innerhalb der Bewegung.
Die Wurzeln der Bewegung liegen im Fat Activism, der gesellschaftliche Wandel forderte und gewichtsbezogene Diskriminierung anprangerte. Doch in den 2010er-Jahren verpackten Social-Media-Influencer:innen Body Positivity in ein vermarktbares Ideal. Selbstliebe und Körpervielfalt wurden zu Trends – statt zu Instrumenten der Systemkritik.
Gabriella Lascano, eine ehemalige Body-Positivity-Influencerin, verließ die Bewegung nach massiver Kritik, weil sie angedeutet hatte, dass Gesundheitsfragen nicht automatisch fettfeindlich seien. Ihre Äußerungen lösten eine Welle der Empörung aus, besonders als sie argumentierte, die Bewegung nutze Selbstakzeptanz mitunter, um berechtigte Gesundheitsdebatten abzublocken. Die New York Times griff ihre Geschichte später in einem Meinungsbeitrag mit dem Titel "Bekenntnisse einer ehemaligen Body-Positivity-Influencerin" auf.
Die Spaltung vertiefte sich weiter mit dem Aufstieg von Abnehm-Medikamenten wie Ozempic. Wer sich auf individuelle Gesundheit konzentrierte, geriet oft in Konflikt mit Aktivist:innen, die kollektiven Wandel priorisierten. Viele im Lager der Selbstoptimierung zeigten wenig Interesse an Studien, die die Aussagekraft des BMI oder das langfristige Scheitern von Diäten infrage stellten. Gleichzeitig ärgerten sich Aktivist:innen darüber, ständig rechtfertigen zu müssen, warum Body Positivity nicht gesundheitsfeindlich sei.
Lascanos Rückzug unterstrich eine zentrale Dynamik: Wer die Bewegung verlässt, offenbart oft, welche Version davon er oder sie eigentlich unterstützt hatte. Für sie war der Wandel von radikaler Advocacy-Arbeit zu kommerzialisierter Selbstliebe eine Entfremdung von der ursprünglichen Mission.
Heute verkörpert die Body-Positivity-Bewegung zwei gegensätzliche Visionen: Die eine setzt auf individuelles Wohlbefinden und persönliches Wachstum, die andere kämpft für tiefgreifende gesellschaftliche Reformen. Während die Kommerzialisierung ihre Botschaft prägt, zeigt sich: Die Spannung zwischen diesen Zielen lässt nicht nach.
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