12 April 2026, 01:02

Warum wir Politiker für Katastrophen bestrafen, die nie passierten

Eine Karte der Vereinigten Staaten, die die Standorte und Arten von 2020 Milliarden-Dollar-Naturkatastrophen zeigt, mit farbigen Abschnitten und beschrifteten Texten.

Warum wir Politiker für Katastrophen bestrafen, die nie passierten

Eine neue Studie hat untersucht, warum Menschen dazu neigen, politische Führungskräfte für Katastrophen verantwortlich zu machen, die fast eingetreten wären, es aber nicht taten. Die Forscher Matejas Mackin und Neal Roese analysierten, wie vorgestellte Szenarien – sogenannte kontrafaktische Katastrophen – die öffentliche Meinung prägen. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass solche "Was-wäre-wenn"-Situationen politische Gräben vertiefen und beeinflussen, wie Wähler Verantwortung zuweisen.

Die Studie konzentrierte sich darauf, wie Menschen auf fiktive Beinahe-Katastrophen unter verschiedenen Präsidenten reagieren. Den Teilnehmenden wurden Szenarien präsentiert, in denen verheerende Ereignisse fast eingetreten wären, im letzten Moment aber noch abgewendet wurden. Anschließend maß das Team, ob die Befragten dem jeweiligen Amtsinhaber die Schuld gaben oder ihn lobten.

Die Ergebnisse zeigten eine deutliche Voreingenommenheit: Menschen machten einem Präsidenten, den sie ablehnten, weitaus häufiger Vorwürfe wegen dieser Beinahe-Katastrophen. Umgekehrt sprachen sie einem unterstützten Präsidenten kaum zusätzlichen Dank dafür aus, dieselben Krisen verhindert zu haben. Dieser Trend war besonders ausgeprägt, wenn den Teilnehmenden vermittelt wurde, dass die Katastrophen knapp vermieden worden waren.

Die Forscher fanden zudem heraus, dass kontrafaktisches Denken – also die Vorstellung, wie etwas schiefgegangen hätte können – eine zentrale Rolle für politische Einstellungen spielt. Hypothetische Katastrophen wurden als plausibler wahrgenommen, wenn der damalige Präsident der gegnerischen Partei angehörte. Dieser Effekt war in den USA besonders stark, wo die politische Polarisierung ohnehin hoch ist.

Laut der Studie drehen sich politische Konflikte demnach nicht nur um Fakten, sondern auch darum, wie glaubwürdig diese vorgestellten Szenarien erscheinen. Je stärker jemand eine Führungsperson ablehnt, desto mehr konzentriert er sich offenbar darauf, was hätte schiefgehen können – und zwar unter deren Verantwortung.

Die Erkenntnisse unterstreichen, wie kontrafaktisches Denken politische Spaltungen verstärken kann. Menschen neigen dazu, Führungskräften, die sie nicht mögen, die Schuld für nie eingetretene Katastrophen zu geben, während abgewendete Krisen kaum gewürdigt werden. Diese Tendenz, so die Forscher, könnte die Polarisierung weiter anheizen, indem sie beeinflusst, wie Wähler politische Entscheidungen interpretieren.

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