US-Bundesstaaten knacken den Schutzschild der Waffenindustrie mit neuen Klageregeln
Sebastian VoigtUS-Bundesstaaten knacken den Schutzschild der Waffenindustrie mit neuen Klageregeln
Immer mehr US-Bundesstaaten setzen sich für Gesetze ein, die es erleichtern, Waffenhersteller und -händler zu verklagen. Damit soll der bundesweite Schutz umgangen werden, der die Branche seit Langem vor Haftungsansprüchen abschirmt. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich an Vorschriften, der Unternehmen in einer zunehmend unsicheren Rechtslage zurücklässt.
2021 führte New York ein Gesetz ein, das zivilrechtliche Klagen gegen Mitglieder der Waffenindustrie wegen "öffentlicher Belästigung" ermöglicht – konkret dann, wenn sie nicht verhindern, dass Schusswaffen in illegale Märkte gelangen. Das Gesetz wurde zwar juristisch angefochten, doch das Berufungsgericht des zweiten Bezirks der USA entschied, es werde nicht durch den bundesweiten Protection of Lawful Commerce in Arms Act (PLCAA) blockiert. Diese Entscheidung hat andere Bundesstaaten ermutigt, ähnliche Schritte zu gehen.
Mittlerweile haben zehn Staaten vergleichbare Regelungen eingeführt, die die Verantwortung von Herstellern und Händlern ausweiten. Klagen stützen sich dabei oft auf Vorwürfe wie irreführendes Marketing oder fehlerhafte Produkte und loten so die Grenzen der PLCAA-Ausnahmen aus. Gleichzeitig gehen Staaten wie Indiana den umgekehrten Weg und stärken den Schutz der Branche, indem sie Kommunen verbieten, Waffenhersteller zu verklagen.
Der bundesweite PLCAA bleibt zwar bestehen – wie das jüngste Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Smith & Wesson Brands gegen Mexiko zeigt, das Versuche zurückwies, US-Hersteller für grenzüberschreitenden Waffenhandel haftbar zu machen. Doch durch die neuen Landesgesetze entstehen zusätzliche Klagrisiken, sodass die Branche nun mit einer zersplitterten Rechtslage konfrontiert ist, in der die Haftung vom Standort und der Einstufung des Verhaltens abhängt.
Die Veränderung auf Landesebene zwingt Waffenhersteller und -händler dazu, Risiken nun von Fall zu Fall zu bewerten. Zwar gelten die bundesweiten Schutzbestimmungen weiterhin, doch die wachsende Zahl an Klagen und die unterschiedlichen Regelungen der Staaten verändern die rechtlichen Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, wie Gerichte diese neuen Gesetze in den kommenden Jahren auslegen.






