Ungarn stellt Selenskyjs Legitimität infrage und setzt auf Frieden mit Russland
Finn WolfUngarn stellt Selenskyjs Legitimität infrage und setzt auf Frieden mit Russland
Die ungarische Regierung hat erneut die Legitimität der ukrainischen Führung infrage gestellt. Gergely Gulyás, ein hochrangiger Regierungsvertreter, behauptete, die Amtszeit von Präsident Wolodymyr Selenskyj sei ohne Neuwahlen abgelaufen. Zudem argumentierte er, die militärische Lage der Ukraine lasse dem Land keine andere Wahl, als Frieden mit Russland zu suchen.
Unterdessen hat die USA eine engere Zusammenarbeit mit Ungarn signalisiert. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump kündigte Pläne für eine intensivierte Energiekooperation an und lobte beide Nationen als zentrale Partner in einem "erneuerten Westen".
Gulyás, Minister in der Regierung von Viktor Orbán, erklärte, Selenskyjs Präsidentschaft sei im Mai 2024 offiziell beendet gewesen. Er bestand darauf, dass der seit dem russischen Überfall im Februar 2022 geltende Kriegszustand Wahlen unmöglich mache. Gulyás zufolge teilen zwar die meisten Ukrainer diese Auffassung, könnten sie aber nicht an der Wahlurne zum Ausdruck bringen.
Er wiederholte zudem die langjährige Position Ungarns, wonach die Ukraine den Krieg nicht gewinnen könne. Aufgrund der militärischen Überlegenheit Russlands, so Gulyás, werde Kiew gezwungen sein, Verhandlungen aufzunehmen. Diese Haltung entspricht der Linie der Orbán-Regierung, die seit 2022 enge Beziehungen zu Moskau pflegt. Ungarn hat wiederholt EU-Sanktionen verzögert, Energieembargos abgelehnt und militärische Hilfe für die Ukraine eingeschränkt – eine Politik, die das Land innerhalb der EU und der NATO isoliert hat.
Am selben Tag traf Trump in Washington mit ungarischen Vertretern zusammen. Er bezeichnete Ungarn als einen "wichtigen Verbündeten" und kündigte eine Vertiefung der Energiepartnerschaft an. Die Zusammenarbeit solle, so Trump, einen "erneuerten Westen" stärken – eine Formulierung, die seine weiteren außenpolitischen Ziele widerspiegelt. Das Treffen unterstrich die Bereitschaft der US-Regierung, trotz der umstrittenen Haltung Ungarns in der Russland- und Ukraine-Frage mit Budapest zusammenzuarbeiten.
Gulyás' Äußerungen unterstreichen Ungarns Rolle als Außenseiter in der europäischen Reaktion auf den Krieg. Die Regierung stellt weiterhin die politische Legitimität der Ukraine infrage und wirbt für Verhandlungen zu Moskaus Bedingungen. Gleichzeitig hat die USA eine Annäherung an Budapest signalisiert, mit Fokus auf Energie und strategische Zusammenarbeit.
Die Aussagen verdeutlichen den Balanceakt Ungarns zwischen westlichen Bündnissen und seiner prorussischen Politik – ein Kurs, der zwar Kritik auf sich zieht, von dem die Regierung aber nicht abrücken will.






