Tim Raues brutale Jugend bei den "36 Boys": Wie eine Berliner Bande sein Leben prägte
Charlotte RichterTim Raues brutale Jugend bei den "36 Boys": Wie eine Berliner Bande sein Leben prägte
Tim Raue, heute 52, war einst Mitglied der berüchtigten Berliner Straßenbande „36 Boys“. Zwischen 14 und 16 Jahren suchte er nach Anerkennung und Zugehörigkeit – doch der Eintritt in die Gruppe hatte einen gewalttätigen Preis. Seine Erlebnisse, die er nun in einem Buch dokumentiert, zeigen die harte Realität des Bandenlebens im Kreuzberg der 1980er-Jahre.
Die Aufnahme bei den „36 Boys“ verlangte eine brutale Prüfung: drei Minuten lang gegen zwei Bandenmitglieder kämpfen. Raue hielt nicht die volle Zeit durch. Die Schläge hinterließen eine Narbe – eine sichtbare Erinnerung an seine Initiation.
Kämpfe mit verfeindeten Banden gehörten zum Alltag der „36 Boys“. Raue gibt zu, dass er einmal während einer Auseinandersetzung fliehen wollte, sich aber zwang zu bleiben. Damals fühlte es sich an, als müsse er standhalten, um sich zu beweisen.
In seinem Buch „36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde“ untersucht der Journalist Paul Christoph Gäbler die Geschichte der Gruppe. Raues Schicksal ist nur eines von vielen, die zeigen, wie junge Menschen für ein Gefühl der Zugehörigkeit in die Gewalt gezogen wurden. Heute lehnt er Aggression ab, doch er erkennt die Denkweise an, die ihn einst antrieb.
Für Raue bot die Bande, wonach er sich am meisten sehnte: Akzeptanz. Doch der Preis war hoch – körperlich wie emotional. Mit 16 endete seine Zeit bei den „36 Boys“, doch die Erinnerungen bleiben. Das Buch hält eine Epoche fest, in der Straßenbanden in Berlin Leben prägten. Seine Geschichte ist heute eine Reflexion über Jugend, Gewalt und die Suche nach Identität.






