Tallinn macht Ausnahme: Russischunterricht bleibt an 20 Schulen länger erhalten
Charlotte RichterTallinn macht Ausnahme: Russischunterricht bleibt an 20 Schulen länger erhalten
Tallinn plant Ausnahme: 20 Schulen dürfen auch 2026/27 noch Russischunterricht in den Klassen 7–9 anbieten
Tallinn beabsichtigt, im Schuljahr 2026/27 an 20 Schulen den Unterricht in einigen 7. bis 9. Klassen weiterhin auf Russisch zu ermöglichen – trotz des landesweiten Vorhabens Estlands, bis 2030 vollständig auf estnischsprachigen Unterricht umzustellen. Als Hauptgrund für die Verzögerung nennen Stadtvertreter den Mangel an qualifizierten estnischsprachigen Lehrkräften.
Der für Bildung zuständige stellvertretende Bürgermeister Andrei Kante (Partei "Zentrum") wird den Vorschlag in der Dienstagssitzung der Stadtregierung vorlegen. Der Plan umfasst 273 Klassen, davon 85 für Schüler mit besonderem Förderbedarf. Die Schulleitungen der betroffenen Einrichtungen haben die Maßnahme bereits gebilligt und beantragen nun beim Tallinner Stadtrat die endgültige Genehmigung.
Die Stadt betont, dass estnischsprachiger Unterricht weiterhin gewährleistet bleibe und zusätzliche Unterstützung für den Übergang angeboten werde. Bürgermeister Peeter Raudsepp (Partei "Isamaa") verteidigte das Vorgehen und versicherte, der Gesamtprozess liefe planmäßig. Kritik kommt unter anderem von Hendrik Agur, dem Direktor des Berufsbildungszentrums Ida-Virumaa, der die Begründung der Stadt für die Fortführung des Russischunterrichts infrage stellte.
Tallinn hat in diesem Jahr 10,2 Millionen Euro für die Umstellung auf rein estnischsprachigen Unterricht bereitgestellt. Zwar soll die landesweite Reform bis 2030 abgeschlossen sein, doch zeigen lokale Anpassungen wie diese die anhaltenden Herausforderungen auf. Der Vorschlag sieht vor, den Russischunterricht in ausgewählten Jahrgangsstufen vorübergehend beizubehalten, während gleichzeitig der Estnischunterricht gestärkt wird. Bei einer Zustimmung würde die Regelung ab dem Schuljahr 2026/27 an 20 Schulen greifen. Die Entscheidung der Stadt spiegelt sowohl praktische Zwänge wider als auch das Bekenntnis, das Ziel für 2030 zu erreichen.






