27 April 2026, 10:41

Sachsen-Anhalt verliert Tausende Unternehmen – und den Kampf gegen Lohnwucher

Eine Liniendiagramm, das die Löhne in den Vereinigten Staaten zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Sachsen-Anhalt verliert Tausende Unternehmen – und den Kampf gegen Lohnwucher

Sachsen-Anhalt steht vor einem drastischen Rückgang der Wirtschaftstätigkeit und der Durchsetzung des Arbeitsrechts

Zwischen 2022 und 2025 ist die Zahl der registrierten Unternehmen in Sachsen-Anhalt um über 3.500 gesunken. Gleichzeitig sind Kontrollen zur Einhaltung von Lohnvorschriften stark zurückgegangen – für Arbeitnehmer bedeutet das kaum noch Schutz vor Lohnwucher.

Die wirtschaftlichen Probleme des Landes spiegeln sich in der schrumpfenden Unternehmenslandschaft wider: 2022 waren noch 65.738 Firmen in Sachsen-Anhalt aktiv, bis 2025 sank diese Zahl auf 62.211. Parallel dazu hat die Überwachung der Arbeitsbedingungen deutlich nachgelassen.

Besonders alarmierend ist der Rückgang der Kontrollen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). Während die Behörden 2022 noch 1.598 Betriebsprüfungen durchführten, waren es 2025 nur noch 691. Die Durchsetzung von Arbeitsschutzbestimmungen liegt damit bei lediglich 42,4 Prozent des Niveaus von vor drei Jahren.

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Der Linken-Abgeordnete David Schliesing spricht von einer "Durchsetzungsblindheit" und macht massive Personalengpässe für den Kontrollverfall verantwortlich. Unter den aktuellen Bedingungen muss ein Unternehmen in Sachsen-Anhalt statistisch nur alle 90 Jahre mit einer Zollprüfung rechnen. Bei landwirtschaftlichen Betrieben ist die Wartezeit noch länger: Hier findet eine Kontrolle im Schnitt nur alle 234 Jahre statt.

Schliesing fordert nun dringendes Handeln: Er verlangt spezielle Staatsanwälte für die Verfolgung von Lohnverstößen sowie sofortige Verstärkung des Zollpersonals. Besonders prekär ist die Lage in nicht gewerkschaftlich organisierten Betrieben, wo 35 Prozent der Beschäftigten weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen. Landesweit liegt der Anteil der Arbeitnehmer unter dieser Grenze bei 23,3 Prozent.

Der gesetzliche Mindestlohn in Sachsen-Anhalt beträgt derzeit 13,90 Euro. Eine geplante Erhöhung auf 14,60 Euro im Jahr 2027 bringt ohne schärfere Kontrollen kaum Entlastung.

Mit immer weniger Betrieben und Kontrollen auf Rekordtief steht der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt vor wachsender Instabilität. Fast ein Viertel der Beschäftigten verdient weniger als 15 Euro pro Stunde. Ohne eine deutliche Aufstockung der Überwachungskräfte werden Lohnverstöße weiter zunehmen – und viele Arbeitnehmer bleiben schutzlos gegen Ausbeutung.

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