19 March 2026, 16:04

Leipziger Buchmesse beginnt mit Protesten gegen Kulturminister Weimer

Plakat für die Internationale Buchkunstausstellung Leipzig 1927 mit einem offenen Buch und einer goldenen Krone darauf.

Buhrufe und Kritik für Wolfram Weimer in Leipzig - Leipziger Buchmesse beginnt mit Protesten gegen Kulturminister Weimer

Leipziger Buchmesse startet unter Protesten – Kulturminister Weimer in der Kritik

Diese Woche eröffnete die Leipziger Buchmesse unter massivem Streit, nachdem Kulturminister Wolfram Weimer mit harter Kritik konfrontiert wurde. Vor dem Gewandhaus versammelten sich Demonstranten, die seinen Rücktritt forderten und ihm vorwarfen, einen "Kulturkampf" zu führen. Der Aufschrei folgte auf seine Entscheidung, drei linksgerichtete Buchhandlungen von einer renommierten Branchenauszeichnung auszuschließen.

Im Inneren der Veranstaltung wurde Weimer während seiner Rede ausgebuht, während draußen Protestierende Plakate hochhielten, auf denen er als "Kulturkampfminister" bezeichnet wurde. Der Konflikt hat sich mittlerweile zu einem Rechtsstreit ausgeweitet: Die betroffenen Buchhandlungen haben gegen die Entscheidung Klage eingereicht.

Auslöser der Kontroverse war Weimers Streichung dreier Buchhandlungen – des Golden Shop in Bremen, der Roten Straße in Göttingen und Zur schwankenden Weltkugel in Berlin – von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises. Als Begründung nannte er "verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse", weigerte sich jedoch, nähere Angaben zu machen, und berief sich auf Vertraulichkeitsregeln. Die ausgeschlossenen Buchhandlungen werfen ihm vor, sie nachträglich disqualifiziert zu haben, um eine "ultrakonservative Agenda" durchzusetzen.

Als Reaktion reichten die Buchhändler in Berlin und Köln Klagen gegen das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ein. Ihre rechtlichen Schritte fordern Transparenz nach Datenschutzrecht (DSGVO) sowie eine Überprüfung des sogenannten Haber-Verfahrens – ein Verweis auf Weimers Berufung auf die Prinzipien von Vernunft und Dialog des Philosophen Jürgen Habermas. Bisher hat der Verfassungsschutz keine offiziellen Maßnahmen gegen die Buchhandlungen eingeleitet, sodass die Gründe für ihren Ausschluss unklar bleiben.

Die Eskalation verschärfte sich, als der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Weimers Vorgehen scharf verurteilte und ihm vorwarf, linke Perspektiven zu unterdrücken. Die Preisverleihung wurde angesichts des Aufruhrs abgesagt. Unterdessen schlug Weimer Reformen für den Deutschen Buchhandlungspreis vor, darunter eine neue Kategorie für Kinder- und Jugendbuchhandlungen. Kritiker werteten dies jedoch als Ablenkungsmanöver von seinen umstrittenen Entscheidungen.

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Die Spannungen erhöhten sich weiter, als Weimer die geplante 7-Millionen-Euro-Erweiterung der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig stoppte. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kritisierte den Stopp öffentlich und vertiefte damit den Graben zwischen Landes- und Bundeskulturpolitik.

Der Streit hat die Buchbranche in Aufruhr versetzt: Die Preisverleihung wurde abgesagt, die Rechtsstreitigkeiten laufen. Die ausgeschlossenen Buchhandlungen kämpfen weiterhin gerichtlich gegen Weimers Entscheidung, während Verbände vor einer zunehmenden Einschränkung politischer Vielfalt warnen. Ohne eine Lösung in Sicht droht der Konflikt wichtige kulturelle Vorhaben zu überschatten – darunter die blockierte Bibliothekserweiterung und die geplanten Preandreformen.

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