Handwerkspräsident: "Demokratie Muss Jetzt Liefern"

Admin User
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Ein Zug fährt aus einem Tunnel mit Gebäuden im Hintergrund.

Handwerkspräsident: "Demokratie Muss Jetzt Liefern" - Handwerkspräsident: "Demokratie Muss Jetzt Liefern"

Deutschlands Wirtschaft steckt weiter in einer langen Talfahrt fest – mit wenig Aussicht auf eine baldige Erholung. Während die Industrie besonders stark betroffen ist, baut auch das Handwerk still und leise Arbeitsplätze ab. Vor diesem Hintergrund treibt die Regierung umstrittene Arbeitsmarktreformen voran, um die Belastung für Unternehmen zu verringern. Die Gewerkschaften warnen hingegen vor schweren gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten.

Unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat die CDU/CSU-SPD-Koalition im Rahmen ihres 2025er Pakts eine Reform des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) vorgeschlagen. Die bisherige tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden (mit Option auf zehn Stunden) soll durch einen wöchentlichen Durchschnitt von 48 Stunden ersetzt werden. Damit wären Schichten von bis zu zwölf Stunden möglich – vorausgesetzt, der Durchschnitt wird eingehalten. Zudem sind eine verpflichtende digitale Arbeitszeiterfassung und steuerfreie Überstunden geplant. Sollten die Änderungen verabschiedet werden, treten sie 2026 in Kraft, nachdem die seit dem 24. Juli 2025 laufenden Beratungen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften abgeschlossen sind.

Die Gewerkschaften reagieren scharf. NGG und DGB warnen, dass Zwölf-Stunden-Schichten die Unfallzahlen am Arbeitsplatz verdoppeln, das Schlaganfallrisiko erhöhen und Schlafstörungen verschlimmern könnten. Mit ihrer Kampagne „Mit Macht für die 8“ fordern sie den Erhalt des Acht-Stunden-Tags. Selbst Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) äußert Skepsis. Einige Arbeitgeber – besonders im Handwerk – sehen jedoch Chancen in flexibleren Modellen, etwa vier Zwölf-Stunden-Tage pro Woche, um im Angesicht des akuten Fachkräftemangels wettbewerbsfähig zu bleiben. Zwar wären vierteljährliche Kontrollen vorgesehen, und Betriebsräte könnten die Pläne blockieren, doch die Bedenken hinsichtlich der Arbeitssicherheit – vor allem in körperlich anspruchsvollen Berufen – bleiben groß.

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), beschreibt die Stimmung in der Branche als „extrem düster“. Zwar habe sich die Zahl der Ausbildungsverträge im Vergleich zu anderen Sektoren leicht erholt, doch das gesamtwirtschaftliche Bild bleibe trüb. Dittrich pocht auf dringende Reformen, um das Vertrauen in unternehmerische Initiative wiederherzustellen und das Wachstum anzukurbeln. Ohne Gegensteuer drohe Deutschland, im globalen Wettbewerb weiter zurückzufallen – mit möglichen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie.

Ziel der geplanten Arbeitsmarktreformen ist es, Unternehmen in einem angespannten Arbeitsmarkt mehr Flexibilität zu verschaffen. Aufgrund des Wettbewerbs um Fachkräfte und demografischer Verschiebungen werden die Löhne voraussichtlich weiter steigen – was den Preisdruck zusätzlich verstärkt. Doch angesichts der Warnungen von Gewerkschaften und Teilen der Regierung vor gesundheitlichen und sicherheitstechnischen Risiken bleibt der weitere Weg ungewiss. Die Entscheidung wird von den Verhandlungen abhängen, die bis 2026 abgeschlossen sein sollen.