Feuerwehrmann droht Strafe nach Rasertempo im Einsatz – und löst Debatte aus
Julian HartmannFeuerwehrmann droht Strafe nach Rasertempo im Einsatz – und löst Debatte aus
Ein Feuerwehrmann aus Taucha steht vor rechtlichen Konsequenzen, nachdem er mit 69 km/h in einer 30er-Zone geblitzt wurde – während er zu einem Einsatz unterwegs war. Der Vorfall hat eine breitere Debatte über die Regeln für Einsatzfahrzeuge und deren Ausnahmen von Verkehrsgesetzen ausgelöst.
Der Fall ist nun vor dem örtlichen Amtsgericht gelandet, nachdem der Feuerwehrmann gegen das Bußgeld Widerspruch eingelegt hatte. Unterdessen fragen sich freiwillige Feuerwehrleute bundesweit, wie solche Urteile ihre Arbeit und die Zukunft des deutschen Freiwilligen-Feuerwehrwesens beeinflussen könnten.
Der Vorfall ereignete sich, als ein Löschfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn die zulässige Höchstgeschwindigkeit fast verdoppelte, während es zu einem Notruf ausrückte. Nach § 35 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) dürfen Einsatzkräfte von Verkehrsregeln abweichen, wenn Menschenleben in Gefahr sind oder schwere gesundheitliche Risiken bestehen. Allerdings müssen diese Ausnahmen verantwortungsvoll genutzt werden – zwischen Dringlichkeit und öffentlicher Sicherheit abwägend.
Die Behörden verhängten gegen den Feuerwehrmann zunächst ein Bußgeld von 369 Euro, zwei Punkte in Flensburg sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Solche Strafen sind selten, wenn der Einsatz klar dokumentiert ist. Ob sie aufgehoben werden, hängt von Faktoren ab, etwa ob Warnsignale genutzt wurden und ob die Geschwindigkeit im Verhältnis zur Lage stand.
Deutsche Gerichte entscheiden in solchen Fällen individuell, da es keine festen rechtlichen Grenzwerte für Tempoverstöße gibt. Die Urteile fallen unterschiedlich aus: Manche Feuerwehrleute werden freigesprochen, andere müssen Strafen zahlen – abhängig von der Dringlichkeit des Einsatzes, der Art des Notfalls und den Risiken für andere Verkehrsteilnehmer. Im Taucha-Fall kommt es nun darauf an, ob das Gericht die Geschwindigkeitsüberschreitung unter den gegebenen Umständen für gerechtfertigt hält.
Der Rechtsstreit hat bei vielen freiwilligen Feuerwehrleuten Verunsicherung über die eigene Haftung ausgelöst. Es wächst die Sorge, dass eine strengere Ahndung Freiwillige abschrecken könnte – und damit das deutsche Feuerwehrsystem schwächen würde, das maßgeblich auf ehrenamtliche Kräfte angewiesen ist.
Die Entscheidung des Tauchaer Gerichts wird Präzedenzcharakter für künftige Fälle von Tempoverstößen im Einsatz haben. Sollte das Urteil Bestand haben, könnte dies eine strengere Prüfung der Ausnahmen für Einsatzfahrzeuge zur Folge haben.
Bis dahin beobachten die freiwilligen Feuerwehrleute den Fall genau – denn das Ergebnis könnte beeinflussen, ob sie künftig unter ähnlichen Bedingungen zu Einsätzen ausrücken.






