Ex-Ministerpräsident fordert Ende der AfD-"Brandmauer" – und warnt vor fatalen Folgen
Charlotte RichterEx-Ministerpräsident fordert Ende der AfD-"Brandmauer" – und warnt vor fatalen Folgen
Peter Müller, ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes und früherer Richter am Bundesverfassungsgericht, hat dazu aufgerufen, die Debatte über die "Brandmauer" gegen die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) zu beenden. In einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung argumentierte er, dass die bisherigen Strategien scheiterten und die Position der Partei sogar noch stärken könnten.
Müller warnte, dass laufende Verbotsverfahren die AfD als Märtyrerin stilisieren könnten, ohne dass ein Erfolg garantiert sei. Er forderte die etablierten Parteien auf, ihren Umgang mit der Rechtspopulisten grundlegend zu überdenken.
Kritik übte Müller an der Praxis, die AfD in parlamentarischen Verfahren auszugrenzen – eine Taktik, die seiner Ansicht nach bereits an Wirkung verloren habe. Als Beispiel nannte er CDU und SPD in Rheinland-Pfalz, wo beide Parteien versucht hätten, die Hürden für die Einsetzung von Untersuchungsausschüssen anzuheben, um der AfD die Initiierung solcher Gremien zu erschweren. Dies zeige, so Müller, dass die "Brandmauer" in der Realität längst bröckle.
Zwar betonte er, dass eine gezielte Zusammenarbeit oder Koalitionen mit der AfD tabu bleiben müssten, doch verwies er darauf, dass andere Parteien gelegentlich gemeinsam mit der Partei abgestimmt hätten. Müller verwies zudem auf jüngste Wahlniederlagen rechtspopulistischer Figuren in Europa, darunter Viktor Orbán in Ungarn und Geert Wilders in den Niederlanden. Ihre Niederlage führte er darauf zurück, dass ihre Gegner sich auf konkrete Bürgeranliegen konzentriert hätten, statt auf ideologische Grabenkämpfe.
Der frühere Verfassungsrichter unterstrich, dass die etablierten Parteien wirksamer regieren und Repräsentationslücken schließen müssten – insbesondere in den Bereichen Migration und Sicherheit. Andernfalls werde die AfD weiter an Zuspruch gewinnen, warnte er.
Müllers Eingreifen verlagert die Diskussion weg von einem AfD-Verbot hin zu besserer Regierungsführung und politischer Repräsentation. Er besteht darauf, dass die etablierten Parteien sich den realen Problemen stellen müssen, statt auf Ausgrenzungstaktiken zu setzen. Die Debatte über die "Brandmauer" könnte dadurch nun kritischer geführt werden.






