Evangelikale fordern christliche Vorherrschaft bei Großkundgebung in Washington
Finn WolfEvangelikale fordern christliche Vorherrschaft bei Großkundgebung in Washington
Tausende konservative evangelikale Christen versammelten sich kürzlich am National Mall in Washington zu einer Gebetskundgebung. Das Ereignis sollte die Vereinigten Staaten als „eine Nation unter Gott“ neu verpflichten und einen stärkeren christlichen Einfluss auf das öffentliche Leben fördern. Zu den Rednern zählten führende Vertreter des christlichen Nationalismus sowie ehemalige Regierungsmitglieder aus der Ära Trump.
Die Kundgebung unterstrich die Vorstellung, die USA seien im Kern eine christliche Nation. Die Veranstalter forderten, dem Christentum eine privilegierte Stellung in Regierung und Gesellschaft einzuräumen – eine Haltung, die im scharfen Kontrast zum historischen Prinzip der Trennung von Kirche und Staat steht. Dieses Prinzip hatte Thomas Jefferson bereits 1802 als eine „Trennungsmauer“ beschrieben.
Die Veranstaltung lenkte die Aufmerksamkeit auf die wachsende Bewegung unter konservativen Evangelikalen, diese Trennung aufzuweichen. Während einige Amerikaner – wie die Eltern einer Beobachterin – vielfältige spirituelle Wege einschlagen, etwa den Unitarismus, der keinen Gottglauben voraussetzt, oder die Vedanta-Gesellschaft mit Wurzeln im Hinduismus, bestanden die Teilnehmer der Kundgebung auf der Vorherrschaft des Christentums. Der Vater der Beobachterin, ein Skeptiker gegenüber organisierter Religion, hatte sich einst mit Zorba dem Griechen identifiziert, während ihre Mutter alle Glaubensrichtungen als gleichwertig ansah. Doch für einen solchen Pluralismus blieb auf der Kundgebung kaum Raum.
Die Gebetsveranstaltung machte die tiefen Gräben in der Debatte über die Rolle der Religion im amerikanischen Leben deutlich. Die Unterstützer gingen mit dem klaren Auftrag nach Hause, christliche Werte in der öffentlichen Politik und in Institutionen zu verankern. Unterdessen sieht sich das lang etablierte Prinzip der Trennung von Kirche und Staat neuen Herausforderungen durch jene gegenüber, die die Identität der Nation neu definieren wollen.






