EnviaM kämpft mit steigenden Gaskosten und ungleicher Energienachfrage in Ostdeutschland
Charlotte RichterEnviaM kämpft mit steigenden Gaskosten und ungleicher Energienachfrage in Ostdeutschland
Energieversorger EnviaM verzeichnet deutliche Verschiebungen bei Nachfrage und Preisen, da die Gaskosten steigen und die Umstellung auf grüne Energien ungleichmäßig verläuft. Das Unternehmen, das rund 1,1 Millionen Kunden in Ostdeutschland beliefert, konnte bestehende Verbraucher zwar vor den jüngsten Preiserhöhungen schützen – Neukunden müssen jedoch deutlich höhere Tarife zahlen.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die Gaspreise für Neukunden bundesweit um etwa 20 Prozent gestiegen, wie der Vergleichsdienst Verivox meldet. EnviaMs eigene Zahlen zeigen eine wachsende Kluft zwischen Strom- und Gasabsatz: Während der Gasverbrauch 2025 stark ansteigt, sinkt die Stromnachfrage.
EnviaM versorgt Haushalte und Unternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit Strom, Gas, Wärme und Internet. Trotz der Marktunruhen hielt das Unternehmen die Gaspreise für Bestandskunden stabil, indem es Gas bis zu drei Jahre im Voraus einkaufte. Diese Strategie hilft, plötzliche Kostensprünge durch Krisen wie den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten zu vermeiden.
Neukunden zahlen jedoch 10 bis 15 Prozent mehr für Gas als langjährige Kunden. Der Unterschied ergibt sich daraus, dass Gas kurzfristig zu aktuellen Marktpreisen beschafft werden muss. Gleichzeitig sank der Stromabsatz des Unternehmens 2025 auf 6.717 Gigawattstunden, während der Gasverkauf auf 8.450 Gigawattstunden kletterte.
Erneuerbare Energien gewinnen in EnviaMs Strommix zunehmend an Bedeutung: Mittlerweile stammen über 59 Prozent aus Wasserkraft, Wind- und Solarenergie. Doch bei der Wärmeversorgung hinkt die Umstellung auf grüne Lösungen hinterher – nur 18 Prozent der Fernwärme stammen aus erneuerbaren Quellen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Netzanschlüssen stark an: Täglich gehen über 100 Anfragen ein, da sich Unternehmen und Rechenzentren in der Region ausweiten.
Zu den Interessenten zählen Großkonzerne wie Amazon und die Schwarz Gruppe. Zwei große Rechenzentren befinden sich derzeit im Bau und erhöhen den Druck auf EnviaMs Infrastruktur. Der Ansturm unterstreicht die wachsende Attraktivität der Region für energieintensive Industrien.
Bisher schützen EnviaMs langfristige Gasverträge Bestandskunden vor steigenden Kosten. Neukunden müssen jedoch höhere Preise zahlen, und die Schere zwischen Strom- und Gasnachfrage öffnet sich weiter. Während Erneuerbare im Stromsektor dominieren, hinkt die Wärmewende hinterher – das Unternehmen steht vor der Herausforderung, die wachsende Nachfrage mit nachhaltigen Energielösungen in Einklang zu bringen.
Die stark gestiegene Zahl an Netzanschlussanfragen – getrieben durch Rechenzentren und industrielles Wachstum – stellt eine zusätzliche Bewährungsprobe dar, während sich der Energiebedarf der Region wandelt.






