Energiewende in der Krise: Warum Deutschlands Strategie immer wieder scheitert
Charlotte Richter100 Jahre Energiepreisschocks: Eine kurze Geschichte der deutschen Energiepolitik - Energiewende in der Krise: Warum Deutschlands Strategie immer wieder scheitert
Deutschlands Energiewende gerät erneut unter Druck, da geopolitische Spannungen und Preisschocks tiefe strukturelle Schwächen offenbaren. Der jüngste US-israelische Angriff auf den Iran hat die Wachstumspläne der Wirtschaft durcheinandergebracht und die Regierung in eine reaktive Krisenbewältigung gezwungen. Experten warnen: Ohne eine langfristige Strategie bleibt das Land anfällig für wiederkehrende Energiekrisen.
Der aktuelle Preisschock bei Energie ist nur das jüngste Glied in einer langen Kette der Instabilität. Schon in den 1950er-Jahren führten marktgetriebene Politiken zu Versorgungsengpässen und industriellen Zusammenbrüchen – ein Problem, das sich seither immer wieder zeigt. Geopolitische Umbrüche, von der Ölkrise 1973 bis zum Ukraine-Krieg 2022, haben immer wieder Deutschlands Abhängigkeit von instabilen Importrouten bloßgelegt.
Nach dem Ölschock von 1973 setzte Deutschland auf Energieforschung, Effizienzprogramme und frühe Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien. Das Stromeinspeisungsgesetz der 1990er-Jahre und später das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trieben den staatlich geförderten Ausbau der Ökoenergien voran. Diese Maßnahmen diversifizierten zwar die Bezugsquellen, konnten die Verwundbarkeiten aber nicht vollständig beseitigen.
Heute überdecken kurzfristige Lösungen zur Beruhigung der öffentlichen Stimmung und zur Entlastung der Industrie die eigentlichen Probleme. Zwar wird seit den 1970er-Jahren auf eine Streuung der Importe gesetzt, doch die Abhängigkeiten verlagern sich lediglich – sie verschwinden nicht. Die nächste Krise ist vorprogrammiert, solange die Energiepolitik reaktiv bleibt statt strategisch zu handeln.
Deutschlands Energiesicherheit hängt von mehr ab als von schnellen Antworten auf Preissprünge. Fehlt ein kohärenter Langzeitplan, wird das Land weiterhin anfällig für externe Schocks sein. Die Verknüpfung von Energie, Außenpolitik und Sicherheit bedeutet: Wer die Versorgungswege kontrolliert, wird auch weiterhin über Deutschlands Stabilität mitbestimmen.






