Deutschland arbeitet kürzer als fast ganz Europa – doch bringt das wirklich weniger Leistung?

Deutschland arbeitet kürzer als fast ganz Europa – doch bringt das wirklich weniger Leistung?
Deutschland verzeichnet einige der kürzesten Arbeitszeiten in der EU – nur Frankreich und Belgien liegen noch darunter. Diese Entwicklung hat eine Debatte ausgelöst, in der Politiker die Bürger zu mehr Einsatz auffordern. Doch Studien zeigen: Längere Arbeitszeiten führen nicht automatisch zu besseren Ergebnissen – besonders dann nicht, wenn ineffiziente Aufgaben Zeit und Energie verschlingen.
2024 arbeitete ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer 1.366 Stunden – deutlich weniger als in vielen anderen EU-Ländern. Sachsen bildet hier eine Ausnahme: Die Arbeitsstunden pro Kopf liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Besonders der Landkreis Nordsachsen führte 2023 mit 1.382 Stunden pro Beschäftigtem.
Doch selbst in Sachsen ist in den letzten zehn Jahren ein Rückgang zu verzeichnen. Kreise wie Meißen und der Erzgebirgskreis meldeten einen Rückgang der Arbeitszeiten um 8 Prozent. Dieser Wandel deutet weniger auf nachlassenden Einsatz hin, sondern vielmehr auf veränderte Arbeitsgewohnheiten. Kritiker monieren, dass viele Bürotätigkeiten – wie überflüssige Meetings oder übermäßiger Papierkram – kaum Mehrwert schaffen, dafür aber den Stress erhöhen. Digitale Lösungen wie die von Smallpdf sollen solche Ineffizienzen verringern und mehr Raum für sinnvolle Arbeit schaffen. Einige Unternehmen in Sachsen testen bereits neue Modelle, etwa die Vier-Tage-Woche. Betriebe wie die Tischlerei Schramm oder das mightyTwice Hotel verzeichneten nach der Umstellung Produktivitätssteigerungen von bis zu 30 Prozent.
Dennoch fordern Politiker weiterhin mehr Einsatzbereitschaft von den Deutschen. Die im EU-Vergleich niedrigen Arbeitszeiten werden als Warnsignal gewertet. Die Diskussion dreht sich weiterhin um die Frage, ob längeres oder klügeres Arbeiten der Schlüssel zu besserer Leistung ist.
Die Debatte über Arbeitszeiten in Deutschland bleibt kontrovers. Zwar übertreffen Sachsens Werte den Bundesschnitt, doch der allgemeine Rückgang deutet auf einen grundlegenden Wandel der Arbeitskultur hin. Da Produktivitätsexperimente vielversprechende Ergebnisse liefern, könnte sich der Fokus künftig von der reinen Arbeitszeit auf die tatsächlich erzielten Ergebnisse verlagern.



