Das Goldesteiner Kloster, Heimstatt rebellischer Nonnen, ist im Visier von Investoren

Admin User
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Ein Priester steht an einem Tisch mit Kerzen und Büchern vor ihm.

Das Goldesteiner Kloster, Heimstatt rebellischer Nonnen, ist im Visier von Investoren

Die Abtei Goldenstein, Heimat aufmüpfiger Nonnen, weckt Begehrlichkeiten von Investoren

Warum waren die Augustiner-Chorherren der Abtei Reichersberg so begierig, die eingeschlossenen Augustiner-Chorfrauen nach der Übernahme ihres Klosters umzusiedeln?

  1. Dezember 2025, 06:58 Uhr

Schlagwörter: Wirtschaft, Finanzen, Immobilien

Ein historischer Streit um Klosterbesitz ist in der Moderne wieder aufgeflammt: Die Abtei Goldenstein, einst Heimat einer Gemeinschaft von Augustiner-Chorfrauen, steht vor einer ungewissen Zukunft. Das heute auf beeindruckende 18 Millionen Euro geschätzte Anwesen ist zum begehrten Objekt für Projektentwickler geworden – während seine früheren Bewohnerinnen, bekannt für ihren Widerstandsgeist und ihre Hingabe, bei einer nächtlichen Räumungsaktion gewaltsam vertrieben wurden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Augustiner-Nonnen aus ihrem Zuhause vertrieben werden. Schon vor Jahrhunderten entzogen die Augustiner-Chorherren der Abtei Reichersberg einem Frauenkloster die Kontrolle – mit Verweis auf strenge patriarchale Regeln und die Angst vor Skandalen, um ihr Vorgehen zu rechtfertigen.

Die Augustiner-Chorfrauen von Goldenstein, Teil der Augustiner-Chorherren-Stiftung in Elsbethen bei Salzburg, lebten ein Leben im Dienst der Gemeinschaft, in Lehre und stiller Andacht. Doch ihr Widerstand gegen die Räumung hat öffentliche Sympathien geweckt; viele empfinden ihre Vertreibung als tiefes Unrecht. Die Nonnen wurden in einer nächtlichen Geheimaktion aus dem Kloster entfernt – zurück blieb ein Anwesen, das heute als lukratives Investment gilt.

Der Wert der Abtei ist durch jüngste Aufwertungen weiter gestiegen, darunter ein erst vor zwei Jahren angebauter Turmflügel an der Südseite – eine Maßnahme, die vermutlich die Marktattraktivität steigern sollte. Investoren haben das Gelände nun für mögliche Vorhaben im Blick, etwa als Firmensitz oder Luxusrefugium, angelockt von seiner Größe und der prestigeträchtigen Lage. Der moderne Konflikt spiegelt dabei einen weit älteren Streit wider: Im frühen 12. Jahrhundert übernahmen die Augustiner-Chorherren der Abtei Reichersberg unter Abt Heinrich (um 1120–1140) ein Kloster von seinen weiblichen Bewohnerinnen. Die Vertreibung wurde mit strengen klösterlichen Normen begründet, die Frauen in männlichen Ordenshäusern verboten, mit der Angst vor Skandalen durch geschlechtergemischte Nähe und dem Wunsch, das Anwesen ausschließlich für männliche Chorherren zu sichern. Die Reichersberger Chorherren zögerten nicht, die Nonnen umzusiedeln – eine Parallele zur jüngsten Räumung in Goldenstein.

Die Abtei Goldenstein steht nun leer da, ihre Zukunft scheint eher mit kommerziellen Interessen verknüpft als mit ihrer klösterlichen Vergangenheit. Die Nonnen, einst eine feste Größe in Elsbethen, sind vertrieben, während der Preis von 18 Millionen Euro den neuen Status des Anwesens als begehrtes Investment unterstreicht. Die öffentliche Solidarität mit den vertriebenen Schwestern bleibt groß – doch die Verwandlung der Abtei von einem Ort der Andacht in ein mögliches Bauprojekt scheint unaufhaltsam.

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