Bundesregierung scheitert an Transparenz: Papierakten blockieren NGO-Förderdaten
Julian HartmannBundesregierung scheitert an Transparenz: Papierakten blockieren NGO-Förderdaten
Die deutsche Bundesregierung hat eingeräumt, dass sie eine parlamentarische Anfrage zu Fördergeldern für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) nicht vollständig beantworten kann. Als Grund wurde die anhaltende Abhängigkeit von papierbasierten Akten in den Bundesministerien genannt. Beamte bezeichneten die Zusammenstellung der geforderten Daten als "unzumutbar" – angesichts des enormen Arbeitsaufwands, der damit verbunden wäre.
Die Anfrage betraf Details zu finanziellen Zuwendungen, die verschiedene Ministerien zwischen 2020 und 2026 an Organisationen vergeben hatten. Das Bundesinnenministerium legte als Antwort eine 39-seitige Tabelle mit geförderten NGOs vor. Gleichzeitig räumte die Regierung ein, dass die vollständige Beschaffung aller benötigten Informationen eine Durchsicht zahlreicher Listen, Datenbanken und Papierakten in verschiedenen Behörden und Ämtern erfordern würde.
Zu den in den Unterlagen genannten Organisationen zählt die Amadeu Antonio Stiftung, die für Projekte gegen digitale Hetze und Verschwörungstheorien Mittel erhielt. Auch die sozialistische Jugendorganisation Die Falken wurde als Empfänger von Fördergeldern des Innenministeriums aufgeführt. Zudem erschienen das Institut für Widerstand im Postfordismus und der Verein Haki auf der Liste der geförderten Initiativen.
Auffällig war, dass in den Förderbeschreibungen der Begriff "linksextrem" überhaupt nicht vorkam, während "rechtsextrem" oder verwandte Begriffe 19 Mal erwähnt wurden.
Die Regierung hielt an ihrer Position fest, dass der Aufwand für eine vollständige Beantwortung der Anfrage unverhältnismäßig sei. Als Hauptproblem nannten die Beamten die Komplexität, digitale und physische Unterlagen abzugleichen.
Die Unfähigkeit, eine umfassende Antwort vorzulegen, unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen durch veraltete Aktenführung. Die Erkenntnisse der Anfrage zeigen zudem Ungleichheiten auf, wie verschiedene Formen des Extremismus in der Fördermittelvergabe behandelt werden. Ohne eine Abkehr von papierbasierten Prozessen könnten ähnliche Probleme auch bei künftigen Transparenzanfragen bestehen bleiben.






