Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken: Ministerium verschleiert die wahren Zahlen
Charlotte RichterZuckergehalt in Erfrischungsgetränken: Ministerium verschleiert die wahren Zahlen
Bundeslandwirtschaftsministerium gibt Zuckerrückgang in Erfrischungsgetränken an – doch die Realität sieht anders aus
Das deutsche Bundeslandwirtschaftsministerium hatte kürzlich eine Reduzierung des Zuckergehaltes in Erfrischungsgetränken um 15 Prozent bekannt gegeben. Interne Unterlagen und unabhängige Studien zeigen jedoch, dass der tatsächliche Rückgang weit weniger deutlich ausfällt. Die Diskrepanz sorgt für Diskussionen, während die Regierung die Einführung einer Zuckersteuer ab 2028 vorbereitet.
Die Behördangabe von 15 Prozent bezog sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt der marktrelevanten Getränke – nicht auf alle untersuchten Produkte. Aus internen Dokumenten geht hervor, dass der tatsächliche Rückgang nur 9,1 Prozent betrug. In der Pressemitteilung wurde zudem verschwiegen, dass diese Zahl mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist, bedingt durch methodische Mängel und unvollständige Stichproben.
Eine separate Untersuchung des Max Rubner-Instituts ergab zwischen 2018 und 2024 keinerlei nennenswerte Veränderung des Zuckergehaltes. Selbst in der eigenen Zusammenfassung des Ministeriums hieß es, dass der Zuckeranteil in allen untersuchten Getränken seit 2022 nicht gesunken sei. Gleichzeitig wiesen kindgerecht beworbene Getränke mit bunten Designs 2024 sogar 23 Prozent mehr Zucker auf als noch 2019.
Die geplante Steuer, die 2028 in Kraft treten soll, würde Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter befreien. Produkte mit fünf bis acht Gramm müssten eine Abgabe von 26 Cent pro Liter zahlen, während stark gezuckerte Getränke mit 32 Cent belastet würden. Die Maßnahme soll jährlich rund 450 Millionen Euro einbringen. Doch die Zucker- und Getränkeindustrie hat bereits mit Lobbyarbeit gegen den Plan begonnen.
Ziel der Steuer ist es, den Zuckerkonsum zu senken – doch die widersprüchlichen Daten werfen Fragen nach ihrer Wirksamkeit auf. Angesichts wachsender Widerstands aus der Wirtschaft und Studien, die kaum Fortschritte bei der Zuckerreduktion belegen, bleibt der Erfolg der Maßnahme ungewiss. Die eigenen Zahlen der Regierung deuten darauf hin, dass das Problem hartnäckiger ist als zunächst dargestellt.






