Wiens Festwochen: Warum Peter Thiels Auftritt die Stadt spaltet
Eine geplante Diskussion über die politischen Ansichten von Peter Thiel hat in Wien eine hitzige Debatte ausgelöst. Die von Milo Rau im Rahmen der Festwochen organisierte Veranstaltung sah sich mit Boykottaufrufen konfrontiert, da Kritiker:innen bemängelten, sie biete einer schädlichen Ideologie eine Plattform. Befürworter:innen hingegen betonten, dass offene Debatten für die Demokratie unverzichtbar seien.
Die Kontroverse begann, als Rau die Veranstaltung in sein 2024er-Programm aufnahm, das sich konsequent mit politischen Themen auseinandersetzt. Sein jüngstes Glaubenstribunal Ende Mai unterstrich erneut sein Engagement für umstrittene Fragestellungen. Kritiker wie der Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić warfen Rau vor, keine klare politische Haltung zu beziehen – ein Vorwurf, den die Verteidiger:innen der Veranstaltung als haltlos zurückwiesen.
Gegner:innen, darunter die Autor:in eines kritischen Kommentars, argumentierten, dass Personen mit faschistoiden Tendenzen wie Thiel nicht durch öffentliche Diskussionen legitimiert werden dürften. Sie wiesen zudem darauf hin, dass Thiels Einfluss auf Reichtum und politische Macht beruhe, nicht auf der Stärke seiner Ideen. Dennoch räumte die Autor:in ein, dass im Zweifel eine Debatte dem Schweigen vorzuziehen sei.
Die Boykottbefürworter:innen lehnten das Angebot der Festwochen ab, ihre Bedenken in einem Gespräch zu erörtern. Die Veranstaltung fand schließlich statt, doch ihr Ausgang hinterließ bei vielen ein Gefühl der Unzufriedenheit. Zwar entsprach das Ergebnis der Haltung der Autor:in gegen die Plattform für Extremist:innen, doch der Prozess selbst wirkte unabgeschlossen.
Die Debatte um Thiels Auftritt legte tiefe Gräben in der Frage nach Meinungsfreiheit und politischen Grenzen offen. Rau und sein Team beharrten darauf, dass die Auseinandersetzung mit umstrittenen Positionen für den demokratischen Diskurs notwendig sei. Für die Gegner:innen jedoch überschritt die Entscheidung, die Veranstaltung auszurichten, eine rote Linie – eine Grenze, deren Überschreitung, wie selbst Kritiker:innen einräumten, Thiels realen Machtanspruch ohnehin nicht schwächen würde.






