20 March 2026, 08:05

Wie Kieler Werftromantik und Knurrhahn-Gesang ein Leben prägten

Altes Buchcover mit einem Schiff, das auf Wasser unter einem blauen Himmel segelt, mit der Überschrift "Fünf ausgezeichnete neue Songs" darauf.

Wie Kieler Werftromantik und Knurrhahn-Gesang ein Leben prägten

Michael Kriegs Kindheit in Kiel war vom Meer geprägt, auch wenn sein eigenes Leben nie wirklich in See stach. Aufgewachsen in der Nähe der lebhaften Howaldtswerke-Werft, beobachtete er, wie Schiffe ein- und ausliefen – eine Faszination für die maritime Kultur, die ihn Zeit seines Lebens begleitete. Seine Erinnerungen sind erfüllt von Liedern, Filmen und den basslastigen Traditionen deutscher Seefahrer.

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Kriegs Verbindung zur Seefahrt begann früh, umgeben von den Klängen und dem Treiben der Kieler Docks. Bei Familienausflügen war oft Hans Albers dabei, der berühmte "blonde Hans", dessen Seemannslieder einen bleibenden Eindruck hinterließen. Albers spielte später in Große Freiheit Nr. 7 (1944) die Hauptrolle als Hannes Kröger – einen Matrosen, zerrissen zwischen Liebe und der Sehnsucht nach dem Ozean. Im Film treibt Krögers unerfüllte Leidenschaft für eine Frau namens La Paloma ihn dazu, auf der Padua anzuheuern, dem letzten großen Segelschiff aus Hamburg seiner Zeit.

Die Padua, heute das russische Schulschiff Krusenstern, ist die einzige erhaltene Viermastbark aus der legendären Flotte der Flying P-Liner. Zu Kriegs musikalischen Prägungen gehörte auch Freddy Quinns Einmal noch nach Bombay, ein Lied, das er auf Hochseeschiffen sang. In seinen Chorjahren trat er sogar als Knurrhahn auf – ein tiefstimmiger Bassist aus dem Lotsen-Gesangverein, einem 1929 gegründeten Steuermännerchor.

Die Knurrhahn-Tradition selbst geht auf norddeutsche Fischer und Lotsen des 19. Jahrhunderts zurück, besonders in Häfen wie Cuxhaven und Bremerhaven. Diese rauen, humorvollen Shanties, in tiefem Bass gesungen, hoben die Stimmung auf harten Fahrten. Ensembles wie der Fischerschoor von Cuxhaven (gegründet 1924) oder der Seemannschor Wilhelmshaven hielten diese Lieder am Leben und bewahrten so das deutsche seemännische Erbe.

Kriegs Jugend verband den rauen Alltag der Werft mit der verklärten Romantik des Meeres. Filme, Lieder und die tiefen Chorgesänge prägten seine Erinnerungen – auch wenn er selbst stets an Land blieb. Die Traditionen, die er erlebte, vom Knurrhahn-Gesang bis zum Mythos der Padua, hallen bis heute als Echo einer maritimen Vergangenheit nach, die nichts von ihrer Faszination verloren hat.

Quelle