Weimer stoppt Bibliotheks-Erweiterung – und spaltet die Kulturszene
Sebastian VoigtWeimer kritisiert wegen gestopptem Bibliotheksbau - Weimer stoppt Bibliotheks-Erweiterung – und spaltet die Kulturszene
Kulturminister Wolfram Weimer hat die Pläne für einen fünften Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig gestoppt. Die Entscheidung fällt in eine Phase wachsender Kritik an seiner Politik, darunter die Streichung dreier linksgerichteter Buchhandlungen von der Liste eines renommierten Preises. Rund sieben Millionen Euro waren bereits in die Planung des nun abgesagten Projekts geflossen.
Die Erweiterung sollte dringenden Platzmangel am Leipziger Standort beheben, wo die Kapazitäten für Bücher und Medien nahezu erschöpft sind. Weimers Schritt, das Projekt zu beenden, folgt seinem Vorstoß, das Pflichtexemplarsystem der Bibliothek stärker auf digitale Formate auszurichten. Bisher müssen Verlage zwei physische Exemplare jeder Veröffentlichung abliefern – der Minister strebt jedoch eine Reduzierung auf ein Exemplar an, vorzugsweise in digitaler Form.
Der Deutsche Bibliotheksverband kritisierte Weimers "Digital First"-Ansatz und forderte, dass eine derart weitreichende Änderung zunächst von Fachleuten geprüft werden müsse. Gleichzeitig sieht sich der Minister mit Gegenwind konfrontiert, nachdem er drei Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen hatte – offiziell wegen "verfassungsrechtlicher Bedenken". Nach öffentlichem Protest sagte er die Preisverleihung ab, doch die betroffenen Buchhandlungen erhalten ihr Preisgeld und die Urkunden weiterhin direkt.
Die Kontroverse hat die Debatte über staatliche Fördergelder und Prüfverfahren neu entfacht. Die konservative CDU/CSU-Bundestagsfraktion unterstützte Weimers Haltung und argumentierte, Steuergelder dürften nicht an Gruppen fließen, die als verfassungsfeindlich eingestuft würden. Allerdings zeigen Berichte bis März 2026, dass seit 2024 keine weiteren Fälle im Rahmen des Haber-Verfahrens – einem Instrument des Verfassungsschutzes zur Überprüfung der Förderwürdigkeit – geprüft wurden, abgesehen von den drei Buchhandlungen.
Die Absage der Leipziger Erweiterung hinterlässt die Nationalbibliothek ohne Lösung für ihre akute Platznot. Weimers Fokus auf digitale Pflichtexemplare und sein Umgang mit dem Buchpreis stoßen auf politische Zustimmung wie auch auf fachliche Kritik. Die weiteren Entwicklungen werden maßgeblich beeinflussen, wie staatlich geförderte Kulturprojekte künftig gesteuert und überprüft werden.