USA klagen Raúl Castro wegen Mordes an – ein Fall mit 25 Jahren Verspätung
Charlotte RichterUSA klagen Raúl Castro wegen Mordes an – ein Fall mit 25 Jahren Verspätung
Die USA haben diese Woche den ehemaligen kubanischen Präsidenten Raúl Castro wegen Mordes angeklagt. Die Vorwürfe beziehen sich auf den Abschuss zweier Flugzeuge der Organisation Hermanos al Rescate im Jahr 1996 – ein Fall, der durch neue juristische Schritte wieder in den Fokus gerückt ist. Unterdessen verschärfen Proteste in Havanna und Festnahmen in Florida die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern.
Eine Bundesgrandjury erhob die Anklage gegen Raúl Castro und wirft ihm vor, in den tödlichen Angriff auf zivile Maschinen vor über 25 Jahren verwickelt gewesen zu sein. Der Schritt folgt laufenden Ermittlungen zu dem Vorfall, bei dem vier Menschen ums Leben kamen. Vor der US-Botschaft in Havanna skandierten regierungsfreundliche Demonstranten Parolen zur Unterstützung Castros und riefen „¡Viva nuestro Raúl!“.
In einem separaten Fall wird Luis Raul Gonzales Pardo-Rodriguez, ein mutmaßlicher kubanischer Pilot, der mit dem Abschuss in Verbindung gebracht wird, seit Ende letzten Jahres in Jacksonville, Florida, festgehalten. Gerichtsakten zufolge soll er über seine militärische Vergangenheit und sein Visumantrag gelogen haben. Luis Dominguez von der Stiftung für Menschenrechte in Kuba erklärte, er besitze Beweise dafür, dass Gonzales um 2017 in den USA gewesen sei. Dominguez unterstützt zudem die Ermittler, die den Fall Hermanos al Rescate aufklären.
In einer weiteren Entwicklung wurde Adys Lastres Morera, die Schwester eines kubanischen Unternehmensführers mit mutmaßlichen Regimeverbindungen, vom Heimatschutzministerium festgenommen. US-Außenminister Marco Rubio äußerte Bedenken hinsichtlich ihrer Immobiliengeschäfte in Florida. Orlando Gutierrez-Boronat von der in Miami ansässigen Versammlung der Kubanischen Resistance fragte öffentlich, warum Raúl Castro nicht bei der Kundgebung in Havanna zu seiner Verteidigung erschienen sei.
Die Anklage gegen Raúl Castro stellt eine seltene direkte juristische Konfrontation zwischen den USA und einer hochrangigen kubanischen Persönlichkeit dar. Mit Festnahmen, Protesten und laufenden Ermittlungen belastet der Fall weiterhin die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Die Behörden prüfen derzeit weitere mögliche Verbindungen zwischen kubanischen Funktionären und Aktivitäten auf US-Boden.






