UniCredit bietet 35 Mrd. Euro für Commerzbank – und löst Markt-Turbulenzen aus
Finn WolfUniCredit bietet 35 Mrd. Euro für Commerzbank – und löst Markt-Turbulenzen aus
UniCredit startet 35-Milliarden-Euro-Übernahmeangebot für Commerzbank und erschüttert deutsche Märkte
Mit einem überraschenden Übernahmeangebot in Höhe von 35 Milliarden Euro für die Commerzbank hat die italienische UniCredit am Montag die deutschen Finanzmärkte aufgewühlt. Die unerwartete Offerte trieb den Aktienkurs der Commerzbank um fast 10 Prozent in die Höhe und lenkte die Aufmerksamkeit der Anleger von den allgemeinen wirtschaftlichen Sorgen ab.
Branchenkenner werten den Schritt als strategischen Zug des UniCredit-Chefs Andrea Orcel, um die Führung der Commerzbank an den Verhandlungstisch zu zwingen. Doch die deutsche Bundesregierung lehnte das Vorhaben umgehend ab und erklärte, eine feindliche Übernahme der zweitgrößten Bank des Landes sei inakzeptabel.
Das freiwillige öffentliche Kaufangebot bewertet die Commerzbank mit 30,80 Euro pro Aktie – basierend auf einem Umtauschverhältnis von 0,485 neuen UniCredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Der Vorstoß erfolgt, nachdem die Aufsichtsbehörden im März 2025 grünes Licht für eine Erhöhung von UniCredits Anteil auf knapp 30 Prozent gegeben hatten. Die Bundesregierung, die selbst 12 Prozent der Anteile hält, bleibt jedoch entschlossen gegen das Vorhaben und verweist auf die systemische Bedeutung der Commerzbank.
Das Übernahmeangebot dominierte den Handel am Montag und überlagerte andere Marktbelastungen. Während schwankende Ölpreise zyklische Werte und die Reisebranche belasteten, sorgten positive Studiendaten für Kursgewinne bei Bayer und Siemens Energy. Der DAX, der weiterhin unter seinem 50-Tage-Durchschnitt notiert, profitierte zwar leicht vom Commerzbank-Anstieg, bleibt aber in einer labilen Verfassung.
Technische Analysten warnen, dass der DAX die Marke von 24.000 Punkten zurückerobern muss, um eine nachhaltige Erholung einzuleiten. Ein Fall unter 22.900 Punkte könnte weitere Verkäufe auslösen. Unterdessen haben der Betriebsrat der Commerzbank und die Gewerkschaft Verdi scharfen Widerstand angekündigt und vor möglichen Stellenstreichungen im Falle einer Übernahme gewarnt.
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte erneut die Unterstützung für eine "starke und unabhängige Commerzbank", ohne jedoch neue rechtliche Hürden einzuführen. Sowohl die Europäische Zentralbank als auch das deutsche Bundeskartellamt hatten bereits früher die Erhöhung von UniCredits Beteiligung genehmigt – der Weg für weitere Verhandlungen bleibt damit trotz politischer Vorbehalte offen.
Das Angebot hat die Volatilität an den deutschen Märkten erhöht, wobei der Commerzbank-Kurs heftig reagierte. Die Haltung der Regierung sorgt für Unsicherheit, doch die regulatorischen Freigaben deuten darauf hin, dass UniCredit weiter Druck ausüben könnte.
Für den DAX könnte der weitere Verlauf davon abhängen, ob der Index die wichtigen Unterstützungsmarken hält. Nun richten sich die Blicke der Anleger darauf, wie der Vorstand und die Großaktionäre der Commerzbank in den kommenden Tagen reagieren werden.