Thyssenkrupp kämpft mit Rekordverlusten durch Ölpreisschock und Produktionsstopp
Julian HartmannThyssenkrupp kämpft mit Rekordverlusten durch Ölpreisschock und Produktionsstopp
Thyssenkrupp steht unter wachsendem finanziellen Druck, da die Ölpreise steigen und die Produktionsprobleme zunehmen. Die Aktien des Konzerns sind stark eingebrochen und haben allein im letzten Monat fast 31 Prozent an Wert verloren. Steigende Energiekosten und die Konkurrenz durch günstige Importe verschärfen die Lage zusätzlich.
Der jüngste Anstieg der Ölpreise trifft Thyssenkrupp hart. Die Nordsee-Sorte Brent notiert derzeit bei rund 113 US-Dollar pro Barrel, während OPEC-Öl auf 143 Dollar geklettert ist. Der globale Markt weist ein tägliches Defizit von etwa 11 Millionen Barrel auf, was die Kosten für energieintensive Branchen wie die Stahlproduktion in die Höhe treibt.
Gleichzeitig hat Thyssenkrupp Electrical Steel die Produktionsdrosselung in seinem Werk im französischen Isbergues verlängert. Der Standort, der kornorientiertes Elektroblech herstellt, bleibt bis September geschlossen – eine Folge der Importkrise. Von dieser Maßnahme sind 1.200 Arbeitsplätze betroffen. Sie reiht sich in einen breiteren Personalabbau ein: Die Belegschaft schrumpfte von 98.120 Mitarbeitern im Jahr 2024 auf 93.375 bis Ende 2025.
Die finanzielle Perspektive des Konzerns hat sich weiter eingetrübt. Die Raiffeisen Bank senkte kürzlich ihre Wachstumsprognose für Thyssenkrupp im Jahr 2026 und verwies auf die Schwierigkeiten zyklischer Industriewerte. Der Aktienkurs stürzte auf ein 52-Wochen-Tief von 7,46 Euro ab und liegt damit fast 44 Prozent unter dem Höchststand vom Oktober.
Als Reaktion auf die Ölkrise bereitet die Bundesregierung ein Entlastungspaket für Spritpreise vor. Zudem soll ein Teil der nationalen Ölreserven freigegeben werden, um die Versorgungsengpässe zu mildern. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte unterdessen den geplanten Kohleausstieg bis 2038 infrage und betonte, die Versorgungssicherheit für die Industrie habe Vorrang.
Thyssenkrupp sieht sich nun mit einer Kombination aus hohen Energiekosten, fallenden Aktienkursen und Produktionskürzungen konfrontiert. Die verlängerte Werksschließung in Frankreich und der Personalabbau unterstreichen die Schwierigkeiten des Konzerns. Angesichts der weiterhin volatilen Ölpreise zeichnen sich weitere finanzielle und operative Herausforderungen ab.






