Russlands Militärgerichte verzeichnen explodierende Gewaltkriminalität seit 2022
Julian HartmannRusslands Militärgerichte verzeichnen explodierende Gewaltkriminalität seit 2022
Seit 2022 verzeichnen russische Militärgerichte einen drastischen Anstieg von Mord- und Sexualstraftaten. Dieser Anstieg fällt zusammen mit der Rekrutierung zehntausender Häftlinge, die im Rahmen besonderer Militärverträge in der Ukraine kämpfen.
Noch 2021 registrierten Militärgerichte 21 Mordfälle und 24 Fälle sexualisierter Gewalt. Bis 2025 schnellten die Mordfälle auf 352 hoch – fast das 17-fache. Vergewaltigungsdelikte stiegen im selben Jahr auf 116, fast neunmal so viele wie 2021. Die Gesamtzahl der Sexualstraftaten erhöhte sich von 24 auf 132, also um mehr als das Fünffache.
Der Aufwärtstrend setzte sich 2026 fort: Allein zwischen Januar und Mai wurden mindestens 311 Fälle dokumentiert. Die Zahlen steigen kontinuierlich: 45 Fälle im Jahr 2023, mindestens 201 im Jahr 2024 und nicht weniger als 754 im Jahr 2025.
Seit 2022 kämpfen viele der in der Ukraine eingesetzten Soldaten als ehemalige Häftlinge mit Gewaltdelikten in der Vergangenheit. Über 1.300 von ihnen wurden inzwischen in führende Positionen in ganz Russland berufen. Sie besetzen derzeit 1.311 offizielle Posten in staatlichen Behörden und staatlich unterstützten Organisationen. Fast die Hälfte dieser Ernennungen (656) entfällt auf die kommunale Ebene, 570 auf die regionale und 85 auf die Bundesebene.
Die Zahl der Berufungen steigt seit 2023 jährlich an. Der Anstieg der Gewaltverbrechen vor Militärgerichten spiegelt tiefgreifende Veränderungen in Russlands Justiz- und Politiklandschaft wider. Die Zahlen belegen einen klaren und dokumentierten Anstieg sowohl bei den Strafverfahren als auch bei den staatlichen Personalentscheidungen.
