Russland verurteilt LGBTQ+-Clubmitarbeiter zu jahrelangen Haftstrafen
Julian HartmannRussland verurteilt LGBTQ+-Clubmitarbeiter zu jahrelangen Haftstrafen
Ein Gericht in Orenburg, Russland, hat drei Mitarbeiter eines örtlichen LGBTQ+-Clubs zu Haftstrafen von bis zu sieben Jahren verurteilt. Dies ist das erste Mal in Russland, dass Gefängnisstrafen wegen der Zugehörigkeit zur „LGBT-Bewegung“ verhängt wurden. Das Urteil folgt einer Razzia im März 2024 und dem Vorwurf der Förderung „nicht-traditioneller“ Beziehungen.
Die Polizei nahm im März 2024 den Clubbesitzer, den künstlerischen Leiter und einen Administrator fest. An der Razzia war die nationalistische Gruppe „Russische Gemeinschaft“ beteiligt. Die Staatsanwaltschaft warf den Beschuldigten später vor, öffentliche Veranstaltungen zur Förderung „nicht-traditioneller“ Beziehungen organisiert zu haben.
Den Ermittlungen zufolge hatte die Administratorin Diana Kamiljanowa Drag-Auftritte gefilmt. Der künstlerische Leiter Alexander Klimow hatte Treffen organisiert und darüber in Telegram-Kanälen berichtet. Alle drei wurden wegen der Gründung und Teilnahme an einer extremistischen Gruppe verurteilt.
Der Barbesitzer Wjatscheslaw Chassanow erhielt die höchste Strafe: sieben Jahre Haft. Kamiljanowa wurde zu sechs Jahren und drei Monaten verurteilt, Klimow zu zwei Jahren und drei Monaten. Zudem untersagte das Gericht ihnen für zwei bis drei Jahre, in der Unterhaltungsbranche oder Gastronomie zu arbeiten. Chassanow musste zusätzlich eine Strafe von über 10.000 US-Dollar zahlen.
Das Urteil fällt in eine Phase verschärfter Repressionen gegen LGBTQ+-Organisationen in Russland. Zwischen März und Juni 2026 wurden neun LGBTQ+-Gruppen als „extremistisch“ verboten. Ende Mai 2026 bezeichnete ein Psychiater auf einem nationalen Kongress Homosexualität und transgeschlechtliche Identität als psychische Störung, die angeblich durch Propaganda verbreitet werde.
Die Verurteilungen schaffen einen Präzedenzfall für künftige Verfahren nach Russlands Extremismusgesetzen. Die drei Angeklagten müssen nun Haftstrafen, Berufsverbote und finanzielle Sanktionen hinnehmen. Das Urteil spiegelt die zunehmende Unterdrückung von LGBTQ+-Rechten im Land wider.
