Platonisches Küssen: Warum Freunde sich heute öfter umarmen – und küssen
Julian HartmannPlatonisches Küssen: Warum Freunde sich heute öfter umarmen – und küssen
Platonisches Küssen unter Freunden: Ein wachsender Trend mit kulturellen und biologischen Wurzeln
In den letzten Jahren hat sich ein zunehmender Trend zu platonischem Küssen unter Freunden in der Öffentlichkeit sichtbarer gemacht. Prominente wie Scarlett Johansson, Jonathan Bailey und Cat Deeley haben sich offen und herzlich, aber ohne romantische Absicht, in der Öffentlichkeit geküsst. Diese Entwicklung spiegelt einen breiteren kulturellen Wandel wider, der die Wahrnehmung körperlicher Zuneigung verändert.
Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ein solches Verhalten evolutionären Mustern entspricht – viele Tiere, darunter auch Primaten, nutzen Küsse, um soziale Bindungen zu stärken und Zuneigung auszudrücken. In westlichen Gesellschaften wird diese Praxis zunehmend akzeptiert, auch wenn die Einstellungen je nach Region und sozialer Gruppe noch immer unterschiedlich ausfallen.
2024 küssten sich Scarlett Johansson und Jonathan Bailey auf dem roten Teppich bei der Premiere von Jurassic World: Rebirth. Bailey verteidigte später die Geste mit den Worten: "Das Leben ist zu kurz, um Liebe nicht auf vielfältige Weise zu zeigen." Johanssons Ehemann, Colin Jost, soll mit dem Kuss kein Problem gehabt haben – besonders vor dem Hintergrund von Baileys offener Sexualität.
Solche Zuneigungsbekundungen sind in Hollywood allerdings nichts Neues. Die Kommunikationsberaterin Judi James betont, dass öffentliche, platonische Küsse schon lange zum Prominenten-Dasein gehören. Auch Hannah Waddingham, Gigi Hadid und Madonna haben ihre besten Freundinnen in der Öffentlichkeit geküsst. Selbst Moderatorin Cat Deeley tauschte zu ihrem Geburtstag einen innigen Kuss mit ihrer engen Freundin Charlie Brear aus und bezeichnete solche "Freundinnen-Küsse" als ein Ritual der Verbundenheit.
Der Trend beschränkt sich jedoch nicht auf die Welt der Stars. In den letzten zehn Jahren sind Wangenküsse und andere nicht-sexuelle Begrüßungsformen vor allem in Südeuropa und progressiven städtischen Räumen häufiger geworden. Medien, die Jugendkultur auf Plattformen wie TikTok und ein gestiegenes Bedürfnis nach menschlicher Nähe nach der Pandemie haben diese Entwicklung begünstigt. Dennoch ist die Akzeptanz uneinheitlich – konservative und nördliche Regionen zeigen sich weniger offen.
Forscher betonen, dass solche Gesten Verhaltensweisen widerspiegeln, die auch in der Natur zu beobachten sind. Der sogenannte "Guppy-Kuss", ein kindlicher Schnabelkuss, ist nur ein Beispiel dafür, wie Menschen Berührungen nutzen, um Beziehungen zu pflegen. Solche Interaktionen stärken Vertrauen und emotionale Sicherheit – ähnlich wie bei Primaten in ihren sozialen Gruppen.
Platonisches Küssen ist heute überall präsent, von roten Teppichen bis hin zu sozialen Medien. Während sich kulturelle Einstellungen weiterentwickeln, zeigt diese Praxis tiefere biologische Instinkte nach Verbindung. Für viele sind solche Gesten mittlerweile eine selbstverständliche Art, Freundschaft und Fürsorge auszudrücken.






