PiS setzt auf Hardliner Czarnek als neuen Kanzlerkandidaten für 2027
Charlotte RichterPiS setzt auf Hardliner Czarnek als neuen Kanzlerkandidaten für 2027
Die polnische Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat Przemysław Czarnek als ihren Kandidaten für das Amt des Regierungschefs bei den Parlamentswahlen 2027 nominiert. Der 48-jährige Rechtsprofessor und ehemalige Bildungsminister wird nun den Wahlkampf der Partei anführen. Seine Auswahl erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die PiS mit sinkender Unterstützung zu kämpfen hat: Aktuelle Umfragen zeigen nur noch 22 Prozent Zustimmung – ein Rückgang gegenüber den 35 Prozent bei der Wahl 2023.
Der 76-jährige PiS-Vorsitzende Jarosław Kaczyński gab Czarneks Nominierung auf einem Parteitag in Krakau bekannt. Czarnek, der als rechtspopulistischer Hardliner gilt, hat versprochen, sich um das "echte Polen" zu kümmern und es "dem Volk zurückzugeben". In seiner ersten Rede kritisierte er die proeuropäische Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk scharf und warf ihr vor, die einfachen Bürger von ihrem eigenen Staat entfremdet zu haben.
Der Kurswechsel der PiS folgt auf einen Popularitätsverlust, der durch interne Konflikte, den Aufstieg rechtsextremer Konkurrenten und politische Blockaden ausgelöst wurde. Die Partei liegt derzeit hinter Tusks bürgerlicher Bürgerkoalition (KO), die gemeinsam mit Präsident Karol Nawrocki regiert – einer Figur, die von rechtsextremen Gruppen unterstützt wird. Neue Bewegungen wie die Polnische Kronen-Konföderation von Grzegorz Braun haben der PiS zusätzlich Wählerstimmen entzogen.
Czarneks Nominierung scheint darauf abzielen, Anhänger von radikalen Gruppen wie der Konföderacja zurückzugewinnen. Er hat eine mögliche Koalition mit ultrarechten Parteien nicht ausgeschlossen. In der Vergangenheit hatte er 2020 mit umstrittenen Äußerungen über die LGBT-Gemeinschaft für Aufsehen gesorgt, die er später als missverständlich entschuldigte.
Nun wird sich zeigen, ob Czarnek der PiS bis 2027 neuen Schwung verleihen kann. Die Strategie der Partei setzt darauf, enttäuschte Rechtswähler zurückzugewinnen und gleichzeitig interne Spannungen zu überwinden. Bei aktuell 22 Prozent in den Umfragen bleibt der Weg zur Erholung jedoch ungewiss.