Österreichs Plan gegen den Gender-Pay-Gap: Neue Transparenzregeln für Unternehmen
Sebastian VoigtÖsterreichs Plan gegen den Gender-Pay-Gap: Neue Transparenzregeln für Unternehmen
Österreich hat mit einem neuen Gesetzentwurf einen Schritt in Richtung Schließung der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen unternommen. Arbeitsministerin Korinna Schumann reichte den Vorschlag am Samstag bei der Bundesregierung ein. Der Vorstoß erfolgt, nachdem das Land die EU-Frist für die Umsetzung von Transparenzregeln bei der Bezahlung verpasst hat.
Aktuell beträgt der Gender-Pay-Gap in Österreich 17,6 Prozent. Selbst nach Berücksichtigung von Faktoren wie Teilzeitarbeit und Branchenunterschieden verdienen Frauen im Schnitt mindestens sechs Prozent weniger als Männer.
Der EU-Rat hatte im April 2023 die Richtlinie zur Lohntransparenz verabschiedet, um Lohndiskriminierung zu bekämpfen. Die Mitgliedstaaten hätten die Vorgaben bis Sonntag umsetzen müssen, doch Österreich und die meisten anderen Länder kamen dieser Verpflichtung nicht nach. Schweden und Estland haben sogar angekündigt, die Richtlinie überhaupt nicht umzusetzen.
Laut dem österreichischen Entwurf müssen Unternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten alle drei Jahre einen Lohnbericht vorlegen. Größere Firmen mit 250 oder mehr Mitarbeitenden sind dazu jährlich verpflichtet. Die Berichte müssen Einkommensunterschiede innerhalb des Unternehmens offenlegen, um Arbeitnehmenden den Zugang zu Gehaltsdaten zu erleichtern.
Überschreitet die Lohnlücke fünf Prozent ohne eine klare, geschlechterneutrale Begründung, müssen Arbeitgeber korrigierende Maßnahmen ergreifen. Der Gesetzentwurf zielt darauf ab, langjährige Ungleichheiten zu beseitigen – darunter die Tatsache, dass Frauen in Österreich häufiger in Teilzeit arbeiten, etwa aufgrund längerer Elternzeit, oder in schlechter bezahlten Branchen vertreten sind.
Die neuen Regeln würden eine regelmäßige Offenlegung von Gehaltsdaten vorschreiben und Unternehmen dazu drängen, ungerechtfertigte Lohnunterschiede zu beheben. Wird das Gesetz verabschiedet, könnte es Österreich näher an die EU-Standards zur Lohngleichheit heranführen. Zunächst muss die Regierung den Entwurf jedoch abstimmen, bevor er verbindlich wird.






