One Nation bricht 77-jährige Koalitionsherrschaft im Wahlkreis Farrer
Julian HartmannOne Nation bricht 77-jährige Koalitionsherrschaft im Wahlkreis Farrer
One Nation erringt erstmals Direktmandat im Repräsentantenhaus und bricht 77-jährige Koalitionsherrschaft in Farrer
Mit dem Sieg von David Farley hat One Nation erstmals in ihrer Geschichte einen Sitz im australischen Repräsentantenhaus erobert und damit die seit 77 Jahren bestehende Dominanz der Koalition im Wahlkreis Farrer beendet. Farleys Erfolg markiert einen tiefgreifenden Wandel – die Liberalen stürzten auf nur noch 12,4 Prozent der Erststimmen ab. Das Ergebnis löst Debatten über die künftige Rolle der Partei in ländlichen wie städtischen Gebieten aus.
Farley setzte sich vor allem außerhalb von Albury durch, dem wirtschaftlichen Zentrum der Region. Zwar führte die unabhängige Kandidatin Michelle Milthorpe in der Stadt selbst, doch konnte sie Farleys starke Unterstützung aus dem ländlichen Umland nicht ausgleichen. Die Liberalen verloren im Wahlkreis über 30 Prozentpunkte im Vergleich zu früheren Wahlen – ein dramatischer Einbruch.
One Nation will Expansion in städtische Wahlkreise vorantreiben Parteichefin Pauline Hanson und der Abgeordnete Barnaby Joyce haben nun ehrgeizige Pläne: Sie wollen die Partei in weiteren Direktwahlkreisen aufstellen, darunter auch in städtischen Gebieten wie Lindsay im Westen Sydneys. Der ehemalige Labor-Stratege Kos Samaras sieht durchaus Potenzial für One Nation, warnt jedoch, dass die Arbeiterpartei weniger anfällig für deren Herausforderung sei. Umfragen zufolge liegt Hansons Zustimmungswert bei Labor-Wählern bei minus 57 – ein Indiz für begrenzte Attraktivität.
Der oppositionelle Schatzkanzler Tim Wilson ließ offen, ob die Koalition künftig mit One Nation zusammenarbeiten könnte, um eine Minderheitsregierung zu bilden. Schatzkanzler Jim Chalmers (Labor) positionierte seine Partei unterdessen als einzige große Kraft der „vernünftigen Mitte“ und grenzt sie damit vom Rechtsruck der Koalition ab. Wahlanalyst Ben Raue mahnt jedoch zur Vorsicht: Noch sei unklar, wie One Nation bei der nächsten Bundestagswahl in städtischen Vorort-Wahlkreisen abschneiden werde.
Historischer Sieg mit Signalwirkung Farleys Erfolg bricht eine langjährige Koalitions-Hochburg und unterstreicht One Nations wachsende Ambitionen. Sollte es der Partei gelingen, sowohl in ländlichen als auch in städtischen Wahlkreisen Fuß zu fassen, könnte dies künftige Wahlkämpfe grundlegend verändern. Für die Liberalen bedeutet das Ergebnis vorerst eine Bestandsaufnahme ihrer Verluste, während Labor die Entwicklung mit distanzierter Wachsamkeit verfolgt.






