Ölpreise explodieren: Iran-Konflikt treibt Brent auf über 110 Dollar pro Barrel
Julian HartmannÖlpreise explodieren: Iran-Konflikt treibt Brent auf über 110 Dollar pro Barrel
Ölpreise schnellen nach Eskalation des Iran-Konflikts auf Rekordniveau
Die Ölpreise sind Anfang 2026 infolgedes verschärften Iran-Konflikts auf historische Höchststände geklettert. Ende März erreichte die Nordsee-Sorte Brent über 110 US-Dollar pro Barrel – ein monatlicher Anstieg um 59 Prozent, der größte jemals verzeichnete. Dieser steile Preisschub hat die aktuellen Notierungen nahe an die pessimistischsten Prognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) herangeführt und Sorgen vor Inflation sowie wirtschaftlicher Instabilität geschürt.
Der erste deutliche Preisanstieg hatte sich bereits nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 abgezeichnet, bevor sich die Märkte vorübergehend beruhigten. Doch der Ausbruch eines neuen Konflikts im Iran Ende Februar 2026 trieb die Preise erneut in die Höhe – weit über die im März 2024 von der EZB prognostizierten Werte hinaus. Damals war noch von einem allmählicheren Anstieg ausgegangen worden, mit einem Brent-Preis von rund 100 Dollar, was Deutschland schätzungsweise 0,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung gekostet hätte.
Als Reaktion skizzierte EZB-Präsidentin Christine Lagarde drei mögliche Strategien. Die erste sieht vor, einen kurzfristigen Energieschock zu ignorieren, da geldpolitische Anpassungen zu spät kämen, um noch Wirkung zu entfalten. Sollte die Inflation zwar das Ziel übersteigen, aber vorübergehend bleiben, wäre allenfalls eine moderate Kurskorrektur denkbar.
In einem schweren Szenario jedoch bliebe die Gesamtinflation wie auch die Kerninflation mehr als zwei Jahre lang erhöht. Dies würde die EZB zu drastischen Maßnahmen zwingen – und eine ohnehin erwartete Rezession noch verschärfen. Der Chefvolkswirt der Bank, Philip Lane, verglich den Entscheidungsprozess mit einem statistischen Modell, bei dem anhand neu eintreffender Daten in jeder Sitzung neu abgewogen werde.
Die aktuellen Ölpreise liegen laut den EZB-Szenarien nun nahe dem 95. Perzentil der erwarteten Verteilung. Im ungünstigsten Fall könnte die Gesamtinflation zwar kurzzeitig auf 4 Prozent hochschnellen, um dann rasant zu fallen – was nur geringe Eingriffe erfordern würde. Hielten die Abweichungen jedoch an, wäre eine entschlossene und nachhaltige Reaktion nötig, um eine Spirale bei den Inflationserwartungen zu verhindern.
Die EZB steht damit vor einem heiklen Balanceakt: Solange die Ölpreise nahe den worst-case-Prognosen verharren, könnte ein anhaltender Schock kraftvolle Gegenmaßnahmen erzwingen – auf die Gefahr hin, die Wirtschaft noch tiefer in eine Abwärtsspirale zu ziehen. Gleichzeitig müssen die Währungshüter abwägen, ob sie eingreifen oder abwarten, bis sich die Märkte von selbst beruhigen.






