Öffentlich-rechtliche Sender vernachlässigen Wirtschaftsthemen in der Krise – Studie enthüllt alarmierende Lücken
Sebastian VoigtÖffentlich-rechtliche Sender vernachlässigen Wirtschaftsthemen in der Krise – Studie enthüllt alarmierende Lücken
Eine neue Studie wirft den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland vor, wirtschaftliche Themen während der längsten Nachkriegskrise des Landes zu vernachlässigen. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) analysierte 284 Talkshow-Folgen aus dem Jahr 2025 und stellte fest, dass nur ein Fünftel der Sendungen wirtschaftspolitische Themen behandelte – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren. Kritiker bemängeln, dass die Sender durch den Ausschluss von Wirtschaftsvertretern keine ausgewogenen Debatten bieten.
Die INSM untersuchte Formate mit Markus Lanz, Caren Miosga, Maybrit Illner sowie die Sendungen hart aber fair und Maischberger. Der Bericht zeigt, dass sich 2025 nur 20 Prozent der Folgen mit wirtschaftlichen Themen beschäftigten, verglichen mit 33 Prozent im Jahr 2023. Selbst wenn Wirtschaftsthemen behandelt wurden, verzichteten 32 Prozent der Sendungen komplett auf Vertreter aus der Wirtschaft.
Die Gästelisten waren stark von Politikern (41 Prozent), Journalisten (27 Prozent) und Ökonomen (14 Prozent) geprägt. Unternehmer machten lediglich fünf Prozent der Teilnehmer aus, während Vertreter der Industrie nur zwei Prozent stellten. Besonders Maischberger fiel negativ auf: In 80 Prozent der wirtschaftsbezogenen Folgen kamen keine Wirtschaftsvertreter zu Wort.
Eine Ausnahme bildete hart aber fair: Die Sendung widmete 39 Prozent ihrer Folgen wirtschaftlichen Themen und lud stets Vertreter der Wirtschaft ein. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben kritisierte ARD und ZDF scharf, ihrem Auftrag zur ausgewogenen Berichterstattung nicht nachzukommen. Er warf den Sendern vor, die Wirtschaft in einer Phase zu ignorieren, in der Deutschland die längste Rezession seit Beginn der Aufzeichnungen durchlebt.
Alsleben forderte dringende Reformen und betonte, dass Wirtschaftsführer in die Debatten einbezogen werden müssten, um die Krise angemessen zu bewältigen. Ohne ihre Perspektive blieben Diskussionen unvollständig und Lösungen schwerer zu finden.
Die Analyse belegt einen klaren Rückgang der Wirtschaftsberichterstattung in den wichtigsten Talkshows. Da Wirtschaftsvertreter weitgehend fehlen, mangelt es den Debatten über Deutschlands wirtschaftliche Herausforderungen an zentralen Blickwinkeln. Die Ergebnisse der INSM deuten auf einen Reformbedarf hin, wie öffentlich-rechtliche Sender finanz- und industriepolitische Themen behandeln.






