Nitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – Patienten suchen verzweifelt Alternativen
Sebastian VoigtNitrendipin-Mangel in Deutschland hält an – Patienten suchen verzweifelt Alternativen
Patienten leiden unter anhaltendem Nitrendipin-Mangel in Deutschland
Patienten, die auf Nitrendipin – einen gängigen Kalziumkanalblocker – angewiesen sind, sehen sich in Deutschland weiterhin mit Lieferengpässen konfrontiert. Das Problem begann im vergangenen Sommer und hat sich nun verschärft: Alle Hersteller melden Verzögerungen bei den Dosierungen von 10 mg und 20 mg. Behörden und Pharmaunternehmen raten Ärzten dazu, Betroffene wo möglich auf alternative Behandlungen umzustellen.
Ursache für den Mangel sind Produktionsprobleme sowie ein fehlender Wirkstoff (API, Active Pharmaceutical Ingredient). Drei große Hersteller – Hexal, ratiopharm und 1A Pharma – haben ihre Lieferstopps mindestens bis März 2026 verlängert. Der Hersteller Aristo bestätigte unterdessen, dass sein 20-mg-Nitrendipin-Präparat voraussichtlich bis Ende dieses Jahres nicht verfügbar sein wird.
Ratiopharm und Aliud Pharma erwarten, die Lieferung der 20-mg-Tabletten bis Ende März wiederaufnehmen zu können. AbZ, ein weiterer Produzent, plant die Auslieferung ab Ende Mai zu starten. Bis dahin führt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Nitrendipin auf seiner offiziellen Liste der Arzneimittelmängel.
Ärzte werden aufgefordert, auf Ersatzpräparate wie Amlodipin, Lercanidipin oder Felodipin auszuweichen – sofern verfügbar. Diese Alternativen gehören zur gleichen Wirkstoffklasse, können jedoch unterschiedlich mit anderen Medikamenten interagieren. So können etwa Ritonavir, Erythromycin und Clarithromycin die Wirkung von Kalziumkanalblockern verstärken und damit das Risiko eines übermäßigen Blutdruckabfalls erhöhen.
Kalziumkanalblocker wirken, indem sie den Kalziumeinstrom in Zellen hemmen und so die Gefäße entspannen. Sie sind jedoch nicht für Patienten mit Herzinsuffizienz oder nach einem kürzlichen Herzinfarkt geeignet. Die Engpässe verdeutlichen die größeren Herausforderungen in der Lieferkette, von denen besonders ältere, weitverbreitete Medikamente betroffen sind.
Da Nitrendipin seit Monaten knapp ist, müssen Patienten und Ärzte auf Alternativen zurückgreifen. Die Verzögerungen zeigen zudem die Schwierigkeiten auf, die Versorgung mit essenziellen Arzneimitteln langfristig zu sichern. Die Behörden beobachten die Lage weiterhin, während die Hersteller an einer vollständigen Wiederherstellung der Lieferketten arbeiten.