Nadav Lapid verlässt FID-Marseille-Jury nach Boykott-Druck und löst Debatte aus
Sebastian VoigtNadav Lapid verlässt FID-Marseille-Jury nach Boykott-Druck und löst Debatte aus
Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat sich aus der Jury des internationalen Filmfestivals FID Marseille zurückgezogen. Seine Entscheidung folgte auf Druck von etwa zehn Filmemachern, die ihre Werke aus Protest von dem Festival zurückzogen. Der Schritt löste in der Filmbranche eine breite Debatte aus.
Lapid sah sich mit Forderungen nach einem Rücktritt konfrontiert, die auf seine Verbindungen zu Israel zurückgingen. Sein für 2025 geplanter Film Yes erhielt teilweise Förderung vom Israel Film Fund, einer unabhängigen Einrichtung, die israelisches und palästinensisches Kino unterstützt. Einige Regisseure, darunter die franco-algerische Filmemacherin Narimane Mari, argumentierten, sie lehnten ein politisches und kulturelles Modell ab – nicht jedoch Zensur.
Der Regisseur entschied sich für den Rückzug, um weitere Verwerfungen zu vermeiden. Er betonte, er sehe die boykottierenden Filmemacher nicht als Feinde, stehe aber weiterhin hinter politischen Sanktionen gegen Israel. Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich.
Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief gegen den Boykott. Die Tageszeitung Le Monde veröffentlichte zudem zwei Gastbeiträge zu seiner Verteidigung: Einer lehnte kulturelle Boykotte ab, der andere hinterfragte die Begründung des Boykotts. Zu Lapids früheren Werken zählen preisgekrönte Filme wie Synonyme, der in Berlin den Goldenen Bären gewann, und Aheds Knie, ausgezeichnet mit dem Jurypreis in Cannes. Variety bezeichnete seinen jüngsten Film Yes als eine „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“.
Lapids Rückzug beendete zwar den akuten Konflikt, doch die Kontroverse verdeutlicht die anhaltenden Spannungen in der Filmwelt. Der Streit zeigt den wachsenden Druck auf Kultureinrichtungen, sich zu politischen Positionen zu verhalten. Mit seinem Rücktritt wollte Lapid das Festival schützen, ohne dabei von seinen Prinzipien abzurücken.






