Nachbarschaftshilfe in Sachsen-Anhalt boomen – doch viele lassen Unterstützung ungenutzt
Finn WolfNachbarschaftshilfe wächst in Sachsen-Anhalt - Nachbarschaftshilfe in Sachsen-Anhalt boomen – doch viele lassen Unterstützung ungenutzt
Immer mehr Menschen wenden sich an Nachbarschaftshelfer, um Unterstützung im Alltag zu erhalten. Seit dem Start des Projekts im Jahr 2023 ist die Zahl der Nutzer in Sachsen-Anhalt von 299 auf 1.814 gestiegen. Ehrenamtliche wie die 60-jährige Rentnerin Kerstin Kränzel helfen mittlerweile älteren und pflegebedürftigen Anwohnern beim Einkaufen, bei Besorgungen oder begleiten sie einfach, um soziale Kontakte zu fördern.
Kränzels Entscheidung, sich ehrenamtlich zu engagieren, hat ihre Wurzeln in ihren eigenen Erfahrungen in den eng verbundenen Wohngemeinschaften der DDR. Damals verließen sich Nachbarn aufeinander wie auf gute Freunde. Heute geht sie wöchentlich mit einer älteren Dame einkaufen, um sie mobil und aktiv zu halten.
Die Nachfrage nach solcher Hilfe steigt, doch viele Berechtigte nutzen die Angebote nicht. 2024 hatten in Sachsen-Anhalt über 103.000 Versicherte Anspruch auf ein monatliches Entlastungsgeld von bis zu 131 Euro – doch nur 56,7 Prozent beantragten die Leistung. Experten führen dies auf mangelnde Aufklärung und die nach wie vor bestehende Scham zurück, Unterstützung anzunehmen.
Stefanie Hamacher, Fachfrau für Pflegeleistungen, betont die weitreichende Wirkung der Nachbarschaftshilfe. Gemeinsam mit Kränzel ist sie überzeugt, dass solche Initiativen die gesellschaftliche Teilhabe und gemeinsame Erlebnisse stärken. Über 4.000 Menschen in Sachsen-Anhalt haben bereits eine Schulung absolviert, um als offizielle Helfer tätig zu werden.
Obwohl unklar ist, wie viele Helfer bundesweit aktiv sind, hat Brandenburg das Programm im Januar 2026 offiziell anerkannt. Ein Registrierungsportal ist eingerichtet, doch konkrete Teilnehmerzahlen stehen noch aus.
Der deutliche Anstieg der Nutzer zeigt den Bedarf an lokalen Unterstützungsnetzwerken. Mit über 4.000 ausgebildeten Helfern allein in Sachsen-Anhalt wächst die Initiative stetig. Dennoch bleibt es eine Herausforderung, sicherzustellen, dass alle Anspruchsberechtigten die verfügbaren Leistungen und Hilfen auch tatsächlich in Anspruch nehmen.