Nach tödlichem Angriff: Bahnmitarbeiter fordern mehr Schutz und Zweierbesetzung
Julian HartmannNach tödlichem Angriff: Bahnmitarbeiter fordern mehr Schutz und Zweierbesetzung
Nach dem Tod eines Zugbegleiters im Februar haben sich die Forderungen nach einem besseren Schutz für Bahnmitarbeiter verschärft. Der Vorfall in Kaiserslautern hat die Debatte über Sicherheitsmaßnahmen neu entfacht, während Gewerkschaften strengere Regeln fordern. Die Verkehrsminister der Länder bleiben jedoch uneinig, wie das Problem angegangen werden soll.
Am 10. Februar wurde der 36-jährige Zugbegleiter Serkan C. in Rheinland-Pfalz bei einem Angriff tödlich verletzt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) reagierte mit der Forderung, dass Zugbegleiter aus Sicherheitsgründen stets im Team arbeiten müssten. Andere Gewerkschaften unterstützten diese Position und setzen sich für eine generelle Zweierbesetzung als Standard ein.
Die Deutsche Bahn hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit zu erhöhen: Kundenbetreuer tragen nun Körperkameras, und die Kontrollen von Fahrkarten ohne Ausweispflicht wurden ausgesetzt. Zudem wird über eine verstärkte Videoüberwachung an Bahnhöfen diskutiert. Die Verkehrsministerkonferenz lehnte jedoch eine bundesweite Verpflichtung zur Zweierbesetzung ab und warnte vor "starren Vorgaben" bei der Personalplanung.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder plant, die aktuellen Maßnahmen bis Ende April zu überprüfen. Die Verkehrsministerkonferenz erkannte zwar die Bemühungen der Deutschen Bahn an, verwies aber auf die hohen Kosten. Offizielle Zahlen zeigen, dass Übergriffe auf Bahnmitarbeiter ein anhaltendes Problem darstellen: Allein in den Jahren 2023 (3.144 Vorfälle), 2024 (3.324) und 2025 (über 3.000) wurden jeweils mehrere tausend Angriffe registriert. Eine bundesweite Gesamtzahl seit dem Februar-Vorfall liegt bisher nicht vor.
Die Bundesregierung arbeitet innerhalb des bestehenden Haushalts, um die Finanzierungsforderungen zu erfüllen. Zwar wurden die Sicherheitsvorkehrungen der Deutschen Bahn begrüßt, doch die Diskussion über eine verpflichtende Zweierbesetzung geht weiter. Die Ergebnisse der Überprüfung im April werden zeigen, ob weitere Schritte zum Schutz des Bahnpersonals folgen.






