München begrüßt Lahav Shani mit bayerischem "Servus" statt "Schalom"
Sebastian VoigtMünchen begrüßt Lahav Shani mit bayerischem "Servus" statt "Schalom"
München begrüßt Lahav Shani mit bayerischem Charme
München hat Lahav Shani, seinen neuen Musikdirektor der Münchner Philharmoniker, mit einer traditionell bayerischen Begrüßung willkommen geheißen. Die Stadt setzt bei der kulturellen Integration oft auf lokale Bräuche statt auf multikulturelle Gesten von globaler Strahlkraft. Das unterscheidet sie von anderen deutschen Metropolen, in denen ausländische Künstler in der Vergangenheit offener und internationaler empfangen wurden.
Als Simon Rattle die Leitung der Berliner Philharmoniker übernahm, begrüßte ihn das Orchester mit einem weltoffenen "Willkommen!". Diese herzliche Haltung unterstrich Berlins Bereitschaft, internationale Einflüsse zu umarmen. In München hingegen herrscht ein anderer Ton.
Shani, der neue Chefdirigent der Philharmoniker, wird häufig mit dem bayerischen "Servus!" zitiert – ein Gruß, der weniger auf seine israelischen Wurzeln verweist als auf die lokale Tradition. Selbst in der Marketingkampagne der Stadt fehlte der Verweis auf "Schalom", eine Geste, die mehr Offenheit hätte signalisieren können. Stattdessen pflegt München die Gewohnheit, fremde Elemente in die eigene Kultur einzubetten – ein Phänomen, das Einheimische scherzhaft als "Bayernkult" bezeichnen.
Diese Vorliebe für Assimilation statt für die Feier von Vielfalt zeigt sich nicht nur in der Musik. So ließ sich Ministerpräsident Markus Söder bereits mit einem "Söder-Döner" fotografieren – einer bayerischen Variante des türkischen Gerichts. Und als Rattle Jahre zuvor in München dirigierte, trug sein Programm den Titel "Symphonisches Hoagascht" – ein dialektaler Begriff für ein geselliges Beisammensein – statt eines internationaleren Themas.
Es gibt keine Belege dafür, dass die Münchner Philharmoniker oder ihr Publikum vor Shanis Amtsantritt gezielt die Integration ausländischer Künstler gefördert hätten. Das Muster deutet auf eine Stadt hin, die stolz auf ihre Traditionen ist und äußere Einflüsse nach eigenen Maßstäben einbindet.
Shanis Empfang spiegelt Münchens langjährige Praxis wider, fremde Kultur im Rahmen der eigenen Identität zu verorten. Die Entscheidung für "Servus" statt "Schalom" und das Fehlen dokumentierter Integrationsinitiativen unterstreichen diesen Trend. Vorerst bleibt der Ansatz der Stadt eher in lokalen Traditionen verwurzelt als in einer nach außen gerichteten Multikulturalität.






