Mozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum radikalen Beziehungsexperiment
Sebastian VoigtMozarts Così fan tutte wird in Wiesbaden zum radikalen Beziehungsexperiment
Das Staatstheater Wiesbaden wagt mit Mozarts Così fan tutte einen kühnen Neuanfang in der kommenden Spielzeit. Statt einer klassischen Inszenierung wird die Oper zu einem lebendigen Beziehungsexperiment – und das Publikum spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Karten für diese ungewöhnliche Aufführung kosten lediglich 10 Euro.
Regisseurin Marie-Ève Signeyrole hat die Komödie aus dem 18. Jahrhundert zu einer provokanten Erkundung von Liebe und Treue umgedeutet. Die Bühne verwandelt sich in eine Kunsthochschule, wo das Publikum zu Studierenden wird, die das Geschehen nicht nur beobachten, sondern mitunter selbst mitgestalten. Don Alfonso, der intrigante Philosoph der Oper, gibt den Ton an, indem er das Experiment als Campus-Spiel inszeniert.
Zwanzig junge Paare zwischen 18 und 35 Jahren werden als Teil der Darstellung auf der Bühne Platz nehmen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – die Macher raten jedoch zu Mut und einer Portion Humor. Ziel ist es, sowohl die Darsteller als auch die Zuschauer zu verunsichern und sie dazu zu bringen, über die Natur von Beziehungen nachzudenken.
Signeyroles Konzept verzichtet auf den gewohnten Opernglanz und legt stattdessen rohe Emotionen und unangenehme Wahrheiten frei. Indem die Grenze zwischen Bühne und Publikum aufgehoben wird, soll jeder im Saal gezwungen werden, sich in Echtzeit mit den Themen der Oper auseinanderzusetzen.
Die Produktion stellt gängige Opernkonventionen infrage, indem sie die Zuschauer zu aktiven Teilnehmern macht. Mit dem günstigen Eintrittspreis von 10 Euro hofft das Theater, ein breites und experimentierfreudiges Publikum anzuziehen. Das Ergebnis könnte die Art und Weise, wie klassische Werke in Zukunft erlebt werden, nachhaltig verändern.






