Misstrauensantrag gegen Estlands Olympische Komitee-Chefin Kaljulaid droht
Sebastian VoigtMisstrauensantrag gegen Estlands Olympische Komitee-Chefin Kaljulaid droht
Gegen Kersti Kaljulaid, Präsidentin des Estnischen Olympischen Komitees (EOK), wird derzeit ein Misstrauensantrag vorbereitet. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Kontroversen um Tõnis Sildaru, Trainer und Vater von Estlands einzigem Medaillengewinner der Winterspiele von Mailand-Cortina, Henry Sildaru. Der ehemalige Olympiasieger Erki Nool und andere kritisieren Kaljulaids Führung und werfen ihr vor, Spaltung statt Einheit zu fördern.
Kersti Kaljulaid übernahm im Oktober 2024 den Vorsitz des EOK, nachdem sie von 2016 bis 2021 estnische Staatspräsidentin gewesen war. Nun steht ihre Position auf dem Prüfstand, nachdem Tõnis Sildaru ihr vorgeworfen hat, eine persönliche Fehde gegen ihn zu führen. Sildaru, der seinen Sohn Henry trainiert, hatte kürzlich ein mit Henrys Medaillenerfolg verbundenes Stipendium in Höhe von 35.000 Euro zurückgezahlt.
Für den Misstrauensantrag sind zwölf Unterschriften erforderlich – das entspricht zehn Prozent der EOK-Mitglieder. Heino Märks, ehemaliger Leiter der Sport- und Körpererziehung in den estnischen Streitkräften, sammelt derzeit Unterstützung für die Abstimmung. Auch Erki Nool, Olympiasieger im Zehnkampf, unterstützt die Initiative und argumentiert, das EOK solle sich darauf konzentrieren, Sportler zu einen, statt Konflikte zu schüren.
Gegen Sildaru selbst wird wegen des Verdachts auf körperliche Misshandlung und Veruntreuung ermittelt; der letztere Fall wird derzeit vor Gericht verhandelt. Der Streit hat die Spannungen im estnischen Sport weiter verschärft und Forderungen nach Kaljulaids Rücktritt laut werden lassen.
Sollte der Antrag erfolgreich sein, könnte Kaljulaid als EOK-Präsidentin abgesetzt werden. Das Ergebnis hängt davon ab, ob die Initiatoren ausreichend Rückhalt unter den Komiteemitgliedern finden. Die Kontroverse hat bereits finanzielle und reputative Folgen für die Beteiligten nach sich gezogen.






