Melanie Amann über Journalismus, Neid auf YouTuber und ihre neue Medienstrategie
Sebastian VoigtMelanie Amann über Journalismus, Neid auf YouTuber und ihre neue Medienstrategie
Melanie Amann, ehemalige stellvertretende Chefredakteurin des Spiegel, sprach kürzlich mit dem YouTuber Benjamin Berndt in einem ausführlichen Gespräch über Journalismus. Ihr Dialog, der fast dreieinhalb Stunden dauerte, behandelte ethische Fragen, Reichweitenfragen und die Herausforderungen moderner Medien. Der Podcast mit dem Titel „Dein Podcast ist gefährlich“ thematisiert Amanns Kritik an Berndts Herangehensweise an politische Interviews.
Amann gab offen zu, Neid auf Berndts Erfolg zu verspüren, und hinterfragte, warum etablierte Medien wie der Spiegel es nicht schaffen, ein ähnlich großes Publikum zu erreichen. Zudem erzählte sie, dass öffentliche Kritik an ihrer Arbeit sie zunehmend belastet habe und ihre Sicht auf die Medienarbeit geprägt habe.
Während ihrer Zeit beim Spiegel verzichtete Amann darauf, in der Berichterstattung über die AfD moralisierend aufzutreten. Viele Politiker der Partei seien ihr in persönlichen Begegnungen als höflich und professionell erschienen. Berndt, der online als Ben ungeskriptet bekannt ist, hatte zuvor ein vierstündiges Interview mit dem AfD-Politiker Björn Höcke geführt – ein Schritt, der für Diskussionen sorgte.
Der zweite Teil des Gesprächs zwischen Amann und Berndt wurde auf ihrem neuen persönlichen Kanal Amann Ungefiltert veröffentlicht. Dort kündigte sie an, künftig weitere Podcast-Gespräche zu führen – ein Zeichen für eine Neuausrichtung ihres medialen Auftretens.
Der Austausch zwischen Amann und Berndt zeigt die Spannungen zwischen traditionellem Journalismus und neuen Medienformaten auf. Dass Amann einen eigenen Kanal startet, deutet auf einen wachsenden Trend hin: Etablierte Journalisten suchen zunehmend den direkten Draht zum Publikum. Der Podcast-Titel unterstreicht dabei ihre anhaltende Kritik an Berndts Methoden und deren weiterreichende Auswirkungen.






