09 June 2026, 08:30

Machtkämpfe im russischen Fernen Osten: Wie die 1990er-Jahre Demokratie und Gewalt kollidieren ließen

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Machtkämpfe im russischen Fernen Osten: Wie die 1990er-Jahre Demokratie und Gewalt kollidieren ließen

Eine neue Studie untersucht die erbitterten Machtkämpfe, die den russischen Fernen Osten in den 1990er-Jahren prägten. Die Historikerin Swetlana Kowalenko stellte ihre Erkenntnisse auf einer großen Fachkonferenz vor und zeigte auf, wie demokratische Ideale mit brutalen politischen Auseinandersetzungen kollidierten. Ihr Bericht „Die politische Elite im Fernen Osten der 1990er-Jahre“ wirft ein Licht auf eine turbulente Phase nach dem Zusammenbruch der UdSSR.

Das Ende der Sowjetunion brachte keine nachhaltige Demokratisierung. Viele Reformer räumten später ein, dass 1989 den Höhepunkt des demokratischen Fortschritts markierte. Stattdessen entwickelte sich in den 1990er-Jahren ein Wettlauf um die Kontrolle, in dem regionale Eliten um die Vorherrschaft kämpften.

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Für den Kreml hatte die Unterordnung der Regionen oberste Priorität. Präsident Boris Jelzin bündelte immense Machtbefugnisse – weitaus größere als die von Führern in vergleichbaren präsidialen Systemen. Um Loyalität zu sichern, ernannte er regionale Gouverneure zu seinen wichtigsten Vertretern. Dieser Schritt ebnete den Weg für erbitterte Konflikte zwischen Gouverneuren und Stadtbürgermeistern.

Nirgends wurde dieser Machtkampf deutlicher sichtbar als in der Region Primorje. Wiktor Tscherepkow, der im Juni 1993 zum Bürgermeister von Wladiwostok gewählt worden war, geriet sofort in Konflikt mit Gouverneur Jewgeni Nasdratenko. Ihr Streit wurde zum Symbol für die Machtkämpfe der Epoche. Die Medien nannten es die „Bürgermeister-Säuberung“, da Nasdratenko die vollständige Kontrolle über die Stadt forderte. Am Ende unterstützten die föderalen Behörden den Gouverneur und drängten Tscherepkow in die Bedeutungslosigkeit.

Kowalenko, leitende Wissenschaftlerin am Institut für Geschichte, Archäologie und Ethnographie der Fernostabteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, präsentierte ihre Arbeit im Rahmen der 12. Kruschanow-Lektüren. Die internationale Konferenz mit dem Titel „Ergebnisse und Perspektiven der historischen Wissenschaft in Ostsibirien und dem Fernen Osten“ bot ihr eine Plattform für ihre detaillierte Analyse der politischen Wirren in der Region.

Die Studie zeigt, wie der russische Ferne Osten in den 1990er-Jahren zum Schauplatz von Machtkämpfen wurde. Lokale Führungspersönlichkeiten rangen um die Vorherrschaft, während der Kreml seinen Einfluss durch eingesetzte Gouverneure festigte. Kowalenkos Bericht dokumentiert ein Jahrzehnt, in dem demokratische Versprechen brutalen politischen Machtproben wichen.

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