Kanada verbietet Zwangssterilisationen – ein historischer Sieg nach Jahrzehnten des Kampfes
Charlotte RichterKanada verbietet Zwangssterilisationen – ein historischer Sieg nach Jahrzehnten des Kampfes
Kanada hat einen wichtigen Schritt unternommen, um Zwangssterilisationen zu verbieten. Das Unterhaus verabschiedete ein neues Gesetz, das diese Praxis unter Strafe stellt. Aktivistinnen und Aktivisten hatten jahrelang – fast ein Jahrzehnt – für diese Änderung gekämpft.
Der Gesetzentwurf war im vergangenen Jahr von Senatorin Yvonne Boyer im Senat eingebracht worden. Nun steht nur noch die königliche Zustimmung aus, bevor das Gesetz in Kraft tritt. Sobald es gilt, wird nicht einvernehmliche Sterilisation als schwere Körperverletzung gewertet und mit einer Höchststrafe von bis zu 14 Jahren Haft geahndet.
Überlebende und Aktivistinnen fordern diese rechtliche Änderung bereits seit 2015. Ihr Einsatz rückt jahrzehntelangen Missbrauch in den Fokus – insbesondere gegen indigene Gemeinschaften. Der Survivors Circle for Reproductive Justice schätzt, dass seit den 1890er-Jahren bis zu 15.000 Indigene ohne ihre Zustimmung sterilisiert wurden.
Trotz breiter Unterstützung äußerten einige medizinische Verbände Bedenken. Die Society of Obstetricians and Gynaecologists of Canada fragte etwa, wie Ärztinnen und Ärzte in Notfallsituationen unter dem neuen Gesetz handeln sollen.
Das Gesetz markiert einen Wendepunkt bei der Aufarbeitung historischer Ungerechtigkeiten. Zwangssterilisationen werden nun als schweres Verbrechen anerkannt. Überlebende und ihre Unterstützerinnen begrüßen den Schritt als längst überfälligen Schutz für gefährdete Gruppen.






