Kampf um das Poetenhaus: Warum Literat:innen um ihr kulturelles Erbe fürchten
Finn WolfKampf um das Poetenhaus: Warum Literat:innen um ihr kulturelles Erbe fürchten
Ein Streit um die Zukunft des Poetenhauses, einst Wohnort von Ramón López Velarde, ist entbrannt. Schriftsteller:innen und Wissenschaftler:innen protestieren gegen Pläne, den historischen Ort umzugestalten, und werfen vor, damit einen zentralen Raum für die Lyrik zu gefährden. Die Kontroverse hat scharfe Kritik von Literat:innen ausgelöst und zu einer öffentlichen Petition geführt, die ein Stopp des Projekts fordert.
Der Konflikt eskalierte, als Ana Francis Mor das neu in Haus der Worte umbenannte Gebäude einweihte. Auffällig war, dass sie in ihrer Rede die dort früher untergebrachten Bibliotheken von Salvador Novo und Efraín Huerta mit keinem Wort erwähnte. Die Dichterin María Rivera verurteilte die Veränderungen scharf und warf der linksgerichteten Regierung vor, der Literaturszene ihren wertvollsten Ort zu entziehen.
Rivera wies offizielle Behauptungen zurück, wonach Schäden am Poetenhaus behoben worden seien. Auch die Zusicherungen von Eduardo Suárez del Real lehnte sie ab, der erklärt hatte, Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum habe versichert, das Gebäude behalte seinen Namen und seine poetische Bestimmung. Unterdessen prangern Wissenschaftler:innen und Dichter:innen, die sich dem Erbe López Velardes verbunden fühlen, an, was sie als Enteignung, Autoritarismus und eine Missachtung des kulturellen Erbes bezeichnen.
Bisher haben weder die Regierung von Mexiko-Stadt noch das lokale Kultursekretariat auf die Kritik reagiert.
Die Kontroverse lässt das Poetenhaus in der Schwebe – seine Zukunft als Zentrum der Lyrik ist ungewiss. Eine Change.org-Petition, die die Aussetzung der Umbaumaßnahmen fordert, findet weiterhin Unterstützung. Die Entscheidung wird zeigen, ob der Ort als gewidmeter Raum für die literarische Tradition erhalten bleibt oder einer dauerhaften Umgestaltung unterzogen wird.






