Irans Sängerinnen kämpfen im Untergrund gegen Repression und Schweigen
Sebastian VoigtIrans Sängerinnen kämpfen im Untergrund gegen Repression und Schweigen
Sängerinnen im Iran sehen sich weiterhin schweren Einschränkungen und Verfolgung ausgesetzt. Trotz der Risiken setzen viele darauf, ihre Musik durch geheime Auftritte und Online-Plattformen zu verbreiten. Die Behörden üben strenge Kontrolle über die künstlerische Entfaltung von Frauen aus und ahnden Regelverstöße mit harten Strafen.
Seit der Islamischen Revolution 1979 unterliegt Musik im Iran massiven Beschränkungen – besonders betroffen sind Frauen, die singen oder Instrumente spielen. Das Regime hat weder die Kleidungsfreiheit noch das Recht von Frauen auf Gesang jemals offiziell garantiert; beide Themen bleiben tabuisiert und hochsensibel.
Geheime Konzerte sind für Musikerinnen überlebenswichtig geworden. Eintrittskarten und Veranstaltungsorte werden diskret über Apps wie Telegram weitergegeben. Besucher müssen oft ihre Handys abgeben, um Leaks zu verhindern, und bei manchen Events wird sogar Alkohol ausgeteilt. Die Locations liegen mitunter in unmittelbarer Nähe zu Sicherheitsbehörden, wobei die Adressen erst am Tag der Veranstaltung vertrauenswürdigen Gästen mitgeteilt werden.
Die junge Sängerin Parastoo Ahmadi hat unzensierte Auftritte offen online gestellt. Für ihren Widerstand wurde sie zu Peitschenhieben verurteilt, erhielt ein achtjähriges Ausreiseverbot und ein Berufsverbot nach ihrem „Imaginären Konzert". Auch ihre Bandmitglieder mussten für ihre Beteiligung Strafen fürchten. Eine andere Sängerin, Mahsa, wurde mit 21 nach einem Auftritt bei einer Privatfeier festgenommen. Die Polizei demütigte sie mit sexuellen und geschlechtsspezifischen Beleidigungen – ein weiterer Beleg für die kompromisslose Haltung des Regimes.
Die Cyberpolizei Irans und die Nachrichtenorganisation der Revolutionsgarden gehen gezielt gegen Sängerinnen vor. Sie konstruieren Anklagen, beschlagnahmen Online-Profile und setzen Drohungen ein, um sie zum Schweigen zu bringen. Mahsa widerspricht vehement der Behauptung, das Regime lockere seine Vorschriften: Die roten Linien bei Kleidung und Gesang blieben unverrückbar.
Die Repression gegen Musikerinnen hält an – ohne jeden rechtlichen Schutz ihrer Rechte. Trotz aller Gefahren gehen die geheimen Auftritte und der digitale Widerstand weiter. Von einer Lockerung der Kontrolle über die künstlerische Freiheit der Frauen ist nichts zu erkennen.
