Indiens Volkszählung 2023 startet mit digitaler Selbsterfassung und Kasten-Debatte
Charlotte RichterIndiens Volkszählung 2023 startet mit digitaler Selbsterfassung und Kasten-Debatte
Indiens nächste Volkszählung beginnt am 1. April 2023 – zwei Jahre später als geplant
Indiens nächste alle zehn Jahre stattfindende Volkszählung startet am 1. April 2023, nachdem sie wegen der COVID-19-Pandemie um zwei Jahre verschoben worden war. Die ursprünglich für 2021 vorgesehene Erhebung markiert die erste große Bevölkerungszählungsrunde seit der Umfrage von 2010–2011. Diesmal führen die Behörden neben den herkömmlichen Methoden auch eine digitale Selbsterfassung ein.
Die Volkszählung wird in zwei Phasen ablaufen. In der ersten Phase werden Haushalte erfasst und Daten zu Wohnverhältnissen sowie zur örtlichen Infrastruktur erhoben. Die zweite Phase dient der Sammlung individueller Angaben, darunter soziale und wirtschaftliche Merkmale.
Eine wichtige Neuerung ist die Erfassung von Kastenzugehörigkeiten – ein sensibles Klassifizierungssystem. Zwar wurden solche Daten bereits 2011 erhoben, jedoch nie vollständig veröffentlicht, da Bedenken an ihrer Zuverlässigkeit bestanden. Diesmal erhalten die Bürger zudem ein 15-tägiges Online-Fenster, um ihre Angaben einzureichen – ein Bruch mit dem bisherigen papierbasierten Verfahren.
Die Maßnahme hat eine Debatte ausgelöst. Befürworter argumentieren, dass Kasten-Daten essenziell für die Gestaltung von Sozialprogrammen seien. Kritiker hingegen halten sie für überholt und warnen davor, veraltete gesellschaftliche Spaltungen in einer modernen, global vernetzten Nation zu zementieren.
Die Volkszählung 2023 verbindet digitale und traditionelle Methoden, um ein breites Spektrum demografischer Daten zu erfassen. Erstmals wird die Selbsterfassung eine zentrale Rolle spielen. Die Ergebnisse werden die politische Entscheidungsfindung für die kommenden Jahre prägen.






