Heideggers Erbe: Warum seine Philosophie bis heute polarisiert
Die Debatte über Martin Heideggers Verbindung zum Nationalsozialismus bleibt ein umstrittenes Thema in der Philosophie. Sein 1927 erschienenes Werk Sein und Zeit wird sowohl verteidigt als auch wegen seiner angeblichen politischen Untertöne verurteilt. Ein neues Buch von Oliver Jahraus greift diese langjährige Kontroverse erneut auf.
1963 verurteilte Theodor W. Adorno, ein jüdischer Exilant in den USA, Heideggers Philosophie als „bis in ihre kleinste Zelle faschistisch“. Jahrzehnte zuvor hatten später Victor Farias und Emmanuel Faye argumentiert, dass Heideggers Denken untrennbar mit der nationalsozialistischen Ideologie verbunden sei. Emmanuel Levinas widersprach dieser These jedoch und bestand darauf, dass Sein und Zeit selbst nicht inhärent nationalsozialistisch sei.
Jürgen Habermas setzte sich 1953 mit Heideggers Erbe auseinander. Er riet Gelehrten, „mit Heidegger gegen Heidegger zu denken“, kritisierte den Philosophen zugleich aber dafür, moralische Verantwortung zu umgehen. Habermas warf Heidegger vor, seine persönlichen Versäumnisse als Teil der größeren „Seinsgeschichte“ darzustellen.
Schon die Sprache von Sein und Zeit spiegelte ihre Zeit wider. Heidegger bediente sich völkischer Begriffe und präsentierte philosophische Fragen als „Kampf gegen Entstellung und Illusion“. Levinas bot eine gegensätzliche Perspektive: Er sah in der Technik eine Kraft, die das Denken von Heideggers Rahmenwerk befreien könne.
Zum 50. Todestag Heideggers argumentierte Dieter Thomä, dass dessen Philosophie weiterhin einflussreich sei. Thomä fügte hinzu, dass sie sich nicht sauber in akzeptable und inakzeptable Teile trennen lasse. Die Diskussion um Heideggers Werk und seine politischen Implikationen löst nach wie vor heftige Reaktionen aus. Die Gelehrten sind uneins darüber, ob und inwiefern seine Philosophie von ihrem historischen Kontext getrennt werden kann oder sollte. Jahraus’ Buch ist der jüngste Beitrag zu dieser anhaltenden Debatte.
