Harte Haftstrafen nach Protesten in Tiflis: 72-Jähriger für 28 Sekunden im Palastgarten
Charlotte RichterHarte Haftstrafen nach Protesten in Tiflis: 72-Jähriger für 28 Sekunden im Palastgarten
Das Stadtgericht Tiflis hat die Urteile im Fall der Proteste vom 4. Oktober 2025 verkündet. Sieben Personen erhielten Haftstrafen wegen ihrer Beteiligung an der Demonstration gegen die regierende Partei. Die Kundgebung war als „friedliche Revolution“ organisiert worden, um die 13-jährige Herrschaft der Partei Georgischer Traum herauszufordern.
Am 4. Oktober 2025 drang eine kleine Gruppe von Demonstranten in einen Abschnitt des Zauns des Präsidialpalasts ein. Daraufhin kam es zu vereinzelten Auseinandersetzungen mit Bereitschaftspolizisten. Unter den Verurteilten wurde der 72-jährige Kinderarzt Giorgi Chachunaschwili zu fünf Jahren Haft verurteilt – obwohl er sich nur 28 Sekunden auf dem Gelände des Palasts aufgehalten hatte.
Fünf weitere Angeklagte – Kakhaber Mschawanadse, Dawit Sturua, Konstantine Kokaia, Sakro Albutaschwili und Dawit Schghenti – erhielten ebenfalls fünfjährige Haftstrafen. Die Kreativdirektorin Ia Darachwelidse wurde zu derselben Strafe verurteilt. Nach dem Urteil kündigte Albutaschwili einen Hungerstreik an, um die Freilassung der Oppositionspolitikerin Elene Choschtaria zu fordern.
Insgesamt wurden im Zusammenhang mit den Protesten über 60 Personen festgenommen. Bisher wurden 22 von ihnen im Rahmen von Geständnisabsprachen freigelassen, während 16 nun verurteilt wurden. Mit den aktuellen Urteilen steigt die Gesamtzahl der Verurteilten auf 16. Die Betroffenen müssen fünfjährige Haftstrafen wegen ihrer Rolle bei den Protesten verbüßen. Der Fall bleibt weiter im Fokus, während die juristischen Verfahren und Hungerstreiks andauern.






