"Gerechtes Russland" will Tarifexplosion bei Wohnnebenkosten stoppen – bis 2026
Charlotte Richter"Gerechtes Russland" will Tarifexplosion bei Wohnnebenkosten stoppen – bis 2026
Abgeordnete der Partei „Gerechtes Russland“ haben dem Staatsduma ein Gesetzespaket vorgelegt, das die Erhöhung von Wohnungs- und Kommunalkostentarifen aussetzen soll. Das geplante Moratorium würde vom 1. Juli 2024 bis zum 31. Dezember 2026 gelten. Mit dem Vorstoß soll den wachsenden Sorgen über steigende Kosten und die mangelnde Servicequalität im Versorgungssektor begegnet werden.
Laut Regierungsprognosen sollen die Durchschnittspreise für kommunale Dienstleistungen bis zum 1. Oktober 2024 um 9,9 Prozent steigen. In einigen Regionen fallen die Erhöhungen jedoch deutlich höher aus: Im Gebiet Swerdlowsk werden fast 12 Prozent erwartet, in der Region Stawropol sogar knapp 45 Prozent. „Gerechtes Russland“ argumentiert, dass diese Preisanstiege weder zu besseren Leistungen noch zu weniger Störfällen im Wohnungs- und Versorgungsbereich geführt hätten.
Eines der Gesetze sieht vor, Tarifanpassungen auf einmal pro Jahr zu begrenzen, um eine doppelte Indexierung zu verhindern. Ein weiteres verlangt, dass künftige Preiserhöhungen der Zustimmung der Staatsduma bedürfen und die Inflationsrate nicht überschreiten dürfen. Sergei Mirow, einer der Vorsitzenden von „Gerechtem Russland“, schlug zudem vor, die Tarife bis zum Abschluss einer bundesweiten Prüfung des Sektors einzufrieren und brachte sogar eine Verstaatlichung der Branche ins Spiel.
Die Bürgerrechtszentren der Partei haben bereits dabei geholfen, über 45 Milliarden Rubel an überhöhten Gebühren für Verbraucher zurückzuerstatten. Die Fraktion fordert nun zusätzlich die Abschaffung der für den 1. Oktober 2024 geplanten Tariferhöhung als Teil ihrer umfassenden Reformbemühungen.
Die vorgeschlagenen Gesetze würden die Erhöhung der Kommunalkostentarife in ganz Russland vorläufig stoppen. Sollten sie verabschiedet werden, würden sie zudem strengere Kontrollen für künftige Anpassungen einführen. Die Vorlagen spiegeln die anhaltenden Bedenken hinsichtlich Bezahlbarkeit und Transparenz im Wohnungs- und Versorgungssektor wider.
