Gabriel und de Maizière üben scharfe Kritik an Merz' Regierungsstil
Sebastian VoigtGabriel und de Maizière üben scharfe Kritik an Merz' Regierungsstil
Sigmar Gabriel und Thomas de Maizière haben die aktuelle Regierungspraxis öffentlich kritisiert. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wiesen die beiden erfahrenen Politiker auf wachsende Herausforderungen in der Regierungsführung hin. Beide waren sich einig, dass die Führung des Landes heute deutlich schwieriger sei als in früheren Jahren.
Gabriel von der SPD verwies dabei besonders auf die internationale Lage als zentralen Faktor. Er nannte die konfrontative Haltung des damaligen US-Präsidenten Trump und Putins Krieg in der Ukraine als Belastungen, die die Regierungsarbeit erschweren. Zudem kritisierte er, dass unrealistische Vorschläge mittlerweile ungeprüft in Kabinett und Parlament gelangten.
De Maizière von der CDU forderte mehr Disziplin im öffentlichen Auftreten der Regierung. Die politische Kultur sei heute weitaus schwieriger als noch vor einem oder zwei Jahrzehnten, argumentierte er. Jede Äußerung werde in einer von Empörung und Skandalisierung geprägten Atmosphäre übermäßig hochgespielt.
Beide richteten ihre Kritik direkt gegen Bundeskanzler Friedrich Merz. Gabriel warf ihm vor, sich mit Themen zu befassen, die normalerweise von einem kompetenten Kanzleramtsminister gefiltert würden. De Maizière warnte, dass viele mittlere Funktionäre inzwischen glaubten, ihre Partei stärke sich, indem sie Forderungen durchsetze oder behauptete, Katastrophen abgewendet zu haben.
Die beiden Politiker betonten die Notwendigkeit besserer interner Abläufe und eines besonneneren öffentlichen Umgangs. Ihre Aussagen spiegeln eine breitere Sorge um den Zustand der Regierungsführung wider. Das Interview unterstreicht die wachsenden Belastungen, denen Führungskräfte in einem zunehmend unberechenbaren politischen Umfeld ausgesetzt sind.






