Florentina Holzingers radikales Pfingstspiel sprengt alle Theatergrenzen in Wien
Finn WolfFlorentina Holzingers radikales Pfingstspiel sprengt alle Theatergrenzen in Wien
Florentina Holzinger brachte ihre kühne, provokante Vision nach Wien – mit einem Pfingstspiel wie kein anderes. Erstmals auf dem Eis des Wiener Eislaufvereins inszeniert, verschmolz die Aufführung extreme Körperlichkeit, religiöse Symbolik und ein atemberaubendes Spektakel. Inspiriert vom radikalen Erbe Hermann Nitschs, sprengte Holzingers rein weibliches Ensemble mit einer Mischung aus Ritual, Parodie und roher Intensität alle Grenzen.
Der Abend begann mit einer Reise des Publikums nach Schloss Prinzendorf, dem historischen Sitz von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater. Dort dekonstruierte Holzinger mit ihren Performern das Letzte Abendmahl im Schlosshof – eine düster-komische Abwandlung von Nitschs ikonischen Bildern.
Eine nackte Frau ließ sich anschließend von der Fassade des Intercontinental Hotels abseilen, eine Hommage an Trisha Browns legendäre Performance von 1970. Die Szene eskalierte, als ein Monstertruck ein hölzernes Panzer-Modell zermalmte – ein drastisches Symbol der Zerstörung und zugleich ein Appell für Frieden. Kurz darauf erschien der Heilige Geist in Gestalt eines Fallschirmspringers mit taubenförmigem Helm, der eine weiße Fahne in die Trümmer pflanzte.
Technik und körperliche Extremerfahrungen prallten immer wieder aufeinander. Performerinnen ertrugen Haken unter der Haut, während Drohnen über einer gekreuzigten Figur schwebten – eine Anspielung auf Nitschs Malaktionen. Autos, ein Motorrad und sogar ein Fallschirmsprung steigerten das Chaos zu einem sinnlichen Overload aus Klang, Bewegung und Symbolen.
Der Höhepunkt zeigte Holzinger und ihre „Jüngerinnen“ schwebend in der Luft, sanft hin- und herwiegt – ein radikaler Kontrast zum vorherigen Tumult. Die Gegenüberstellung von Gewalt und Stille brannte sich ins Gedächtnis des Publikums.
Holzingers Pfingstspiel verband religiöse Tradition mit avantgardistischem Theater, ehrte Nitschs Einfluss und bahnt gleichzeitig ihren eigenen radikalen Weg. Die Mischung aus Spektakel, Schmerz und Symbolik forderte die Zuschauer noch lange nach dem Fall des Vorhangs heraus. Mit dieser Produktion festigte sie ihren Ruf als eine der mutigsten Stimmen des zeitgenössischen Theaters.






